|
Èesæeni pøitomni,
dowolæe mi pro¹u, zo so na spoèatku w maæernej rìèi na pøitomnych wobroæu, ki¾ na¹u rjanu serbsku rìè wobknje¾a.
Verehrte Anwesende,
erlauben Sie mir bitte, dass ich mich zu Beginn in meiner Muttersprache an die Anwesenden wende, die unsere schöne sorbische Sprache beherrschen. Danach setze ich meine Ausführungen in deutscher Sprache fort.
Witam Was, lubi Serbja z Delnjeje, srjed¼neje a Hornjeje £u¾icy do Koblic, hd¼e¾ chcemy hromad¼e wopomni¹æo za nìhdy ryzy serbsku, bursku a holansku wjes Bukojnu poswjeæiæ. Pøiwo³am wosebje Serbam holanskeje kónèiny srjed¼neje £u¾icy postrow ewangelskich Serbow, z kotrym¾ strowichu so te¾ hi¾o Serbja wotbagrowaneje Bukojny: "Pomhaj Bóh".
Tute rjane wopomni¹æo je nasta³o na iniciatiwu Domowiny a z pomocu a podpìru rjad partnerow na mìstnje. Wjeselu so nad rezultatom pilnych prócowanjow a pøeju sej, zo wjed¼e tutón d¼eñ k tomu, zo so prócuja domoródni we Wulkich ®d¼arach, Koblicach a druhd¼e hi¹æe wjace wo serbsku rìè a kulturu.
Verehrte Anwesende,
nachdem sich die Domowina im vergangenen Jahr mit ihrem Gedenktag der sehr emotionalen Eröffnung des Archivs für alle 82 in der Lausitz verschwundenen Dörfer gewidmet hat, wollen wir heute wieder einen Ort in den Mittelpunkt stellen. Es ist Buchwalde, sorbisch: Bukojna, dass vor nunmehr 75 Jahren von der Erdoberfläche verschwand. Die weggebaggerten Fluren dieses Ortes ruhen heute auf dem Grund des Knappensees, der ein Teil des Lausitzer Seenlandes ist.
Wir als Domowina verstehen den heutigen Tag nicht als ein jedes Jahr wiederkehrendes Ritual der bloßen Erinnerung an die Vergangenheit ohne Bezug auf Gegenwart und Zukunft, sondern als eine Veranstaltung, die uns aus der Rückschau dazu führen soll, den Wert sorbischer Sprache und Kultur als zu förderndes Gut zu erkennen und gemeinsam für deren Bewahrung zu wirken. Gerade anhand der abgebaggerten Dörfer wollen wir aber auch begreifbar machen, wie sorbisch die Heidedörfer unter der Kohle einmal wirklich waren. Und dies soll dann auch Mahnung genug sein, keine weiteren Substanzverluste zuzulassen.
Verehrte Anwesende,
die Gedenktage für abgebaggerte sorbische Dörfer gehen auf ein Ereignis vor nunmehr 10 Jahren zurück. Am 11. Juni 1997 wurde im Brandenburger Landtag die Auflösung der Gemeinde Horno, sorbisch: Rogow beschlossen. Die Domowina stand den Hornoern sowohl im Kampf gegen die Abbaggerung und für eine Umfahrung des Ortes als auch in den schweren Momenten der Umsiedlung bis zum Schluss zur Seite. Und sie tut das noch heute. Dies wurde uns auch beim Gedenktag des vergangenen Jahres durch den Ortsvorsteher von Horno, Herrn Siegert mit eindrucksvollen Worten bestätigt.
Aber eins wurde uns in diesem Prozess der rechtsstaatlichen, juristischen Auseinandersetzung bis hin zum Europäischen Gerichtshof ebenso unmissverständlich klargemacht: Unter den derzeitigen politischen, rechtlichen, wirtschaftlichen und landesplanerischen Rahmenbedingungen ist eine Aussicht auf Erfolg im Ringen gegen geplante bzw. genehmigte Abbaggerungen nicht gegeben. Und auch heute haben sich trotz aller Polemik in den Medien diese Bedingungen nicht geändert. Wir müssen uns diesen Realitäten wohl oder übel stellen.
Hier kommt die Ambivalenz und Janusköpfigkeit der Kohlegewinnung genauso zum Tragen wie schon damals in Buchwalde. Einerseits bringt die heimische Braunkohle Arbeit und Brot in die Lausitz, andererseits ist sie mit dem Verlust von Heimat, Umsiedlungen und der Zurückdrängung der sorbischen Sprache verbunden, wie wir sie gerade im Braunkohlenrevier der Mittellausitz schmerzlich erfahren mussten.
Doch lassen Sie mich zu Buchwalde zurückkehren. Dies war bis zur Entdeckung der Braunkohle ein Bauerndorf mit eindeutiger bzw. durchgehender sorbischer Prägung. Ich halte mich da an die Äußerungen des vorletzten Gemeindevorstehers, dem bekennenden evangelischen Sorben, Mitbegründer des "Wendischen Vereins für Großsärchen und Umgebung" und der Domowina, Awgust Lap¹tich. Er veröffentlichte am 5. März 1931 zum Schicksal von Buchwalde in der sorbischen Tageszeitung Serbske Nowiny den Artikel "Serbska wjes Bukojna za¹³a" und am 14. März 1931 die deutsche Entsprechung unter dem Titel "Das Wendendorf Buchwalde verschwunden." in den Hoyerswerdaer Nachrichten.
Hier schrieb er über die Zeit vor der Braunkohle: "Mit seiner Urbewohnerschaft, deren Sitten und Gebräuchen hatte Buchwalde den typischen Charakter eines Wendendorfes. Bis zum Jahre 1913 war keine Zunge vorhanden, welche nicht völlig die wendische Sprache beherrschte. So wurde auch in den Gemeindeversammlungen wendisch verhandelt und nur die Protokolle vorschriftgemäß in deutscher Sprache niedergeschrieben."
Hinzuzufügen wäre, dass hier als Sohn eines Schneiders der Verfasser der ältesten obersorbischen Grammatik, Pfarrer Georg Ludwig geboren wurde. Somit war ein Buchwalder Mitbegründer der obersorbischen Schriftsprache.
Buchwalde blieb bis 1910 ein idyllisches, beschauliches Dorf mit fleißigen sorbischen Bauern, die dem kargen Boden ihr tägliches Brot abtrotzten. Die Gemeindeverwaltung lag ausschließlich in den Händen von Bauern.
Dies alles änderte sich, als sich 1911 die Kunde über die Entdeckung der Braunkohle verbreitete und sofort der Ankauf der Grundstücke der Buchwalder Bauern durch die "Eintracht" AG begann. Die Kohleagenten gingen dabei nicht zimperlich vor, sondern arbeiteten mit Drohungen, um einen schnellen Verkauf der Flächen zu erreichen, wo 1913 dann der Tagebau I Wermnighoff aufgeschlossen wurde. Nachlesen kann man dies in dem sorbischen Buch von Jan Cy¾ "Za w¹ìdnym chlìbom", welches das Leben solcher Heidesorben wie Awgust Lap¹tich nachzeichnet. Dort steht auch, dass sich dieser lange gegen den Verkauf seines Hofes wehrte, weil er ihn gerade 1910 schön ausgebaut hatte.
Niemand wollte zur Anfangszeit des Tagebaus so recht glauben, dass eines Tages das ganze Dorf verschwinden müsse. Schon recht nicht, weil 1913 sogar noch eine neue Schule im Dorf gebaut wurde. Aber das Dorf änderte seinen Charakter, wurde zur Arbeitersiedlung, weil immer mehr Alteingesessene nach dem Verkauf ihrer Grundstücke umsiedelten und dann Bergarbeiter ihre Häuser bewohnten. Zuerst zogen viele Familien wie anderswo in die Ferne, aber auch unter dem Einfluss des sorbischen Vereins in Groß Särchen und der Domowina, entschlossen sich immer mehr zum Umsiedeln in benachbarte sorbische Dörfer, so als einer der letzten im Jahre 1925 auch Awgust Lap¹tich, welcher in Wartha, sorbisch: Stró¾a eine neue Heimat fand.
Er geht in dem Jahr, als Buchwalde einen paradoxen Aufschwung nimmt: Wasserleitung und Strom kommen, neuen Vereine entstehen, eine Feuerwehr wird geschaffen usw. Aber dies alles war nur wie das letzte Aufbäumen eines Todkranken. 1929 wurde das letzte Heimat- und zugleich sehr bittere Abschiedsfest begangen, "gefeiert" kann man wohl angesichts der vergossenen Tränen nicht dazu sagen.
Der Heimatverlust schmerzte sehr. Lap¹tich drückt dies so aus: "Dort, wo unlängst Buchwalder so sorgsam ihren Acker bearbeiteten und sich in ihrer wendischen Muttersprache freundlichst begrüßten, rattern und brausen jetzt Ungeheuer, deren Geräusche weit und breit zu hören sind. Die Sirenen heulen, als wenn ein tausendjähriger Freund und Genosse zum Tode verurteilt, hingerichtet würde."
Aber auch die Zurückdrängung der sorbischen Sprache durch die Industrialisierung setzte im Braunkohlenrevier schon damals mit aller Macht ein und wurde durch die Abbaggerung von sorbischen Dörfern und die Umsiedlung ohne den Versuch des Erhalts der Dorfgemeinschaft noch verschärft.
Der Untergang von Buchwalde wurde durch den letzten Gemeindevorsteher Ernst Müller amtlich dokumentiert, nachdem durch Staatsministerialbeschluss vom 29. November 1930 mit Wirkung vom 1. Januar 1931 die Gemeinde aufgelöst worden war. Er schreibt am 23. Januar 1931 in einem sachlichen, emotionslosen Amtsstil ins Protokollbuch der Gemeindeverwaltung: "Von der ehemals rein ländlichen Gemeinde Buchwalde mit 39 Wirtschaften mit rund früher 250 Einwohnern und später 427 Einwohnern stehen am heutigen Tage nur noch zwei Häuser, welche in Kürze gleichfalls abgebrochen werden."
Ganz anders liest sich das im Artikel von Lap¹tich: ""Wenn die letzte Mauer von Buchwalde stürzt und der letzte Obstbaum fällt und ich weiter nichts sehe, als die alles vernichtende schwarze Kohlengrube, dann will ich noch einmal hinsehen, mein Haupt entblößen, und der sterbenden Bukojna zurufen: Bo¾emje!"
Liebe Anwesende,
die neu geschaffene Erinnerungsstätte für Buchwalde am Ufer des Knappensees soll ein Ort des Verharrens, des Nach- und Gedenkens sein. Aber sie soll zusammen mit der heutigen Veranstaltung und der im Gemeindehaus dank einer Initiativgruppe aus Groß Särchner und Koblenzer Bürgern um Ortsvorsteher Kieschnick erstellten Ausstellung über Buchwalde auch einen Impuls zur noch stärkeren Beschäftigung mit der sorbischen Geschichte dieser Gegend geben. Zudem wäre es sehr schön, wenn die Rückbesinnung auf die sorbische Sprache auch hier ermöglicht werden könnte. Dazu möchten wir aufrufen, denn es handelt sich um ein wertvolles Gut, dass nicht verloren gehen darf.
Verehrte Anwesende,
bei der Gedenkveranstaltung für Scheibe am Scheibesee vor zwei Jahren sprach sich die Domowina dafür aus, das Vorrangebiet des Tagebaus Nochten nicht fortzuschreiben und andere Alternativen zu suchen.
Bereits vor 13 Jahren bei der Erarbeitung des Braunkohleplanes war die Domowina gegen die Festschreibung eines Vorranggebiets. Wir forderten dann 2006 im Zuge der Erarbeitung des Entwicklungskonzeptes für die Schleifer Region unter den Bedingungen des langfristigen Braunkohlebergbaus in Übereinstimmung mit der dortigen Bevölkerung Klarheit zum Vorrangebiet, weil die Entscheidung dazu noch um 10 bis 15 Jahre verschoben werden sollte. Nunmehr liegt das klare öffentliche Bekenntnis von Vattenfall dazu vor und es wird wohl bald zur dementsprechenden Fortschreibung des Braunkohleplanes kommen.
Die Domowina, das darf ich hier erklären ist nach wie vor gegen die Abbaggerung weiterer Dörfer des sorbischen Siedlungsgebietes. Zugleich haben wir immer und zuletzt auf unserer 13. Hauptversammlung in Wittichenau (Kulow) betont, dass wir keine Aktionen gegen den erklärten Willen der Mehrheit der einheimischen Bevölkerung durchführen werden. Wir werden erst aktiv, wenn wir um dementsprechende Hilfe gebeten werden.
Und die Situation ist hier anders als in Horno. Es gibt keine geschlossene Front der Bürger gegen die vorgesehene Inanspruchnahme des Vorranggebiets. Zudem sind sich leider auch die betroffenen Gemeinden nicht einig und verhandeln separat. Eine Gemeinde möchte sogar weit vor der Inanspruchnahme ihres Territoriums umgesiedelt werden. Wir können und werden den Betroffenen keinen Kampf gegen die drohende Abbaggerung aufzwingen, wenn sie ihn selbst nicht wollen
Zudem lehrt uns das Beispiel Horno, wie schon gesagt, dass ein juristisches Vorgehen gegen vorgesehene Abbaggerungen keinen Sinn macht und keine Aussicht auf Erfolg hat, wenn die herrschende Politik auf Bundes-, Landes- und Regionalebene keine Abkehr von der Braunkohle einleitet bzw. an ihr festhält. Eine solche Trendwende ist für uns in keiner Weise zu erkennen, auch wenn einige Oppositionspolitiker, die selbst nicht von Abbaggerung, Umsiedlung oder nahendem Tagebau betroffen sind, den Menschen etwas anderes suggerieren wollen.
Wunschdenken bezüglich des angeblichen Ausbleibens von Umsiedlungen hilft hier nicht weiter, verunsichert die Menschen noch mehr und behindert den Willen zu einer geschlossenen Umsiedlung.
Auch eine aggressive Pro- und Kontra - Kohle - Pressekampagne, die mit den Befindlichkeiten der Betroffenen ihr Spiel treibt sowie polarisierende Stimmungen anheizen kann, halten wir für wenig zweckdienlich.
Wir haben uns als Interessenvertreterin des sorbischen Volkes den realpolitischen Gegebenheiten zu stellen. Ein Konfrontationskurs bringt uns nicht weiter. Sollte es bei der geplanten Umsiedlung bleiben, dann wollen wir für eine kompakte Umsiedlung im Rahmen des sorbischen Siedlungsgebietes und der Schleifer Region werben sowie um bestmöglichste Rahmenbedingungen für die Weiterführung des WITAJ-Projekts zur Revitalisierung der sorbischen Sprache und für die Pflege sorbischer Kultur ringen.
Es hat auch nichts mit Käuflichkeit zu tun, wenn sorbische Projekte im Kohlerevier durch Gelder von Vattenfall unterstützt werden.
Wir betrachten dies als rechtmäßige Teilhabe am Gewinn aus der Kohle, die unter der Erde des sorbischen Siedlungsgebietes liegt, und als ein Stück Wiedergutmachung gegenüber den Sorben.
In diesem Sinne wird die Domowina auch weiterhin an der Seite der Sorben der Schleifer Region stehen, die sich unter den gegenwärtigen schwierigen Bedingungen für unsere sorbische Sprache und Kultur aktiv einsetzen. Mögen sie vor Ort selbst und ohne Druck von außen entscheiden, was wichtig und richtig für sie ist.
Grundsätzlich aber fordern wir von den Landespolitikern, dass mehr dafür getan wird, dass die nun schon fast 100 Jahre währende Abbaggerung sorbischer Dörfer ein Ende nimmt.
Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit. Wutrobny d¼ak!
Und wir sehen uns voraussichtlich am 13. Juni 2008 an einem noch auszuwählenden Ort zum nächsten Gedenktag wieder.
Bis dahin sage ich "Bo¾emje! Na strowe zasowid¼enje!"
|