Jahreshauptversammlung der FUEV (Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen)
22.-24.05.08 in Pécs/Fünkirchen, Ungarn



Vielfalt hat ein Gesicht in Europa

(FUEV Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen). Minderheiten haben das Grundrecht auf Medien und die Versorgung von Informationen in ihrer eigenen Sprache. Dies und ein weit reichendes Strategisches Programm, das die FUEV als Sprachrohr für Minderheiten in Europa sichtbarer machen und die Durchsetzungsfähigkeit der FUEV als politische Organisation in Europa sichern soll, wurde auf der 53. Jahreshauptversammlung der FUEV am Wochenende im ungarischen Pécs/Fünfkirchen verabschiedet. Es schreibt den Anspruch der FUEV, die Interessen der europäischen Minderheiten bei den internationalen Organisationen zu vertreten fest. Es beinhaltet u.a. Europäische Sprachenpolitik und Sprachförderung, eine enge Zusammenarbeit mit der Jugendorganisation der Europäischen Minderheiten, der Jugend Europäischer Volksgruppen auf europäischer Ebene.

Der Dialog mit den Politikern der regionalen, nationalen und europäischen Ebene, so der Präsident der FUEV, Hans Heinrich Hansen, habe feste Formen angenommen, die FUEV sei als wichtiger Dialogpartner in Minderheitenfragen anerkannt. Die Gründung des Dialogforums am Europäischen Parlament gebe der FUEV die Möglichkeit, die wichtigsten Kontaktflächen auf europäischer Ebene zu nutzen. Gleichzeitig sei das eine hohe Anerkennung der Arbeit der FUEV als Sprachrohr der europäischen Minderheiten.

Für das Dialogforum wurden zum Kongress neben dem FUEV-Präsidenten, der automatisch Mitglied ist, sieben Mitglieder gewählt. Es stellten sich neun Kandidaten zur Wahl. Gewählt wurden Bernhard Ziesch, Geschäftsführer der Domowina - der Dachorganisation der Sorben in der Lausitz, Dr. Koloman Brenner, Stellvertretender Vorsitzender der Landesselbstverwaltung der Ungarndeutschen, Dieter Paul Küssner, Vorsitzender des SSF, von der dänischen Minderheit in Deutschland, Dr. Jacob Van der Bij, Vorsitzenden der Westfriesischen Partei FNP, Aleksander Studen-Kirchner, von der Jugend Europäischer Volksgruppen, Nicolae Sdrula, von den Aromunen in Rumänien und Halit Habip Oglu, Vorsitzender des ATTF, der Westhrakien-Türken in Griechenland.

?Im Dialogforum werden aktuelle Herausforderungen, Probleme und langfristige Strategien für die autochthonen, nationalen Minderheiten in Europa diskutiert und der Kontakt zwischen Politik und den europäischen Minderheiten wird dadurch in einen institutionellen Rahmen gebracht. Damit sind wir unserem Ziel, als gleichwertiger Partner von der Politik auch auf europäischer Ebene anerkannt zu werden, einen grossen Schritt näher gekommen," so Hans Heinrich Hansen.

Hans Heinrich Hansen betonte, dass die Gründung des Dialogforums nicht ohne die aktive Unterstützung von Csaba Tabajdi und Michel Ebner als Vorsitzendem und Co-Präsidenten der Intergruppe für traditionelle nationale Minderheiten beim Europäischen Parlament zustande gekommen wäre. Csaba Tabajdi hatte in einem Grusswort auf der Jahreshauptversammlung der FUEV in Pécs/Fünfkirchen noch einmal die Bedeutung der Minderheiten in der Europäischen Politik hervorgehoben und erklärt, das Demokratieverständnis einer Gesellschaft lasse sich nicht zuletzt über ihre Haltung zu ihren Minderheiten definieren.

Darüber hinaus sei es der FUEV gelungen, im Hauptausschuss für Menschenrechte am Europarat, dem so genannten DH-MIN-Ausschuss einen ad-hoc-Beobachterposten zu erhalten. Judit Solymosi, die Vorsitzende des Ausschusses, war ebenfalls zur Jahreshauptversammlung der FUEV nach Pécs/Fünfkirchen gekommen.

?Europa ist mit dem Kongress der FUEV in Fünfkirchen ein Stück weit handhabbarer geworden", so das Fazit des Präsidenten der FUEV, Hans Heinrich Hansen. ?Die FUEV wurde wieder ein Stück mehr als Dialogpartner von der Politik akzeptiert, und darüber hinaus hat der Kongress unseren Zusammenhalt gestärkt. Es ist einfach schön zu sehen, wie die viel beschworene Vielfalt von Europa bei uns, der FUEV, ein Gesicht bekommt. Man muss nur die Gesichter der Menschen sehen, die so verschieden sind wie die Regionen Europas - dann weiss man, dass es sich lohnt, für sie und ihre Rechte auf Vielfalt und Verschiedenartigkeit mit all unseren Kräften einzutreten."

Nachdem sich die FUEV auf ihrer diesjährigen Jahreshauptversammlung in Pécs/Fünfkirchen mit dem Thema Medien beschäftigt hat, ist das Hauptthema der 54. Jahreshauptversammlung das Recht auf politische Vertretung und politische Partizipation.

Die nächste Jahreshauptversammlung der FUEV findet im März 2009 in Brüssel statt.

Die FUEV feiert 2009 ihr 60jähriges Bestehen.




Minderheiten fordern Grundrecht auf Medien

(FUEV Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen). Das Grundrecht auf Medien und eigene Information für die Minderheiten in allen Ländern Europas fordert die Delegiertenversammlung der FUEV, der Dachorganisation der europäischen autochthonen nationalen Minderheiten auf ihrer Jahreshauptversammlung um ungarischen Pécs/Fünfkirchen.

Die Jahreshauptversammlung fand vom 22.-24.05. 08 mit 180 Teilnehmern aus 28 europäischen Ländern statt.

In einer Bestandsaufnahme zur Mediensituation der Minderheiten kam das Mercator Institut der Universität in Wales zum Schluss, dass zwar generell in vielen Ländern der Zugang zu Medien für Minderheiten gesichert ist, dass die Mittel dafür aber nicht zur Verfügung stehen und so der Zugang über eine Absichtserklärung nicht hinaus kommt. Demnach, so die Schlussfolgerung des Kongresses, muss die Gleichbehandlung von Mehrheits- und Minderheitenmedien gesichert werden. Das Grundrecht auf Medien wurde von den Delegierten verabschiedet, in dem sie unter anderem fordern, dass
· die europäischen autochthonen nationalen Minderheiten über einen gleichen Zugang zur Steuerung und zur Strategieentwicklung der Medien verfügen sollten.
· den Minderheiten der freie Zugang zu Medien in ihrer eigenen Sprache ermöglicht werden sollten.
· die Medieninhalte für Minderheiten von vergleichbarer Qualität wie bei den Medien sein sollten, die durch und für die Bevölkerungsmehrheit produziert werden.
· die finanzielle Grundlagen dafür bereitgestellt werden müssen.

Heinrich Schultz, Vizepräsident der FUEV und für Medien verantwortlich, zeigte sich erfreut darüber, dass das Thema Medien eine so große Resonanz gefunden hat. Eine Arbeitsgruppe wurde auf dem Kongress eingerichtet, die die Möglichkeiten und die Funktion der FUEV als Sprachrohr der Minderheiten auch auf dem Informationssektor in Sachen Medien untersucht.

Die Medienwissenschaftlerin Mareike Watolla hatte in einer internen Befragung durch die FUEV einen gravierenden Mangel an Tageszeitungen und eigenen Radiostationen in der Minderheitensprache festgestellt. Fernsehen sei für die meisten Minderheiten eine Utopie. ?Dadurch, dass so viele Informations- und Unterhaltungsbedürfnisse zu einem großen Teil von den Mehrheitsmedien abgedeckt werden, sind viele Themen im Alltagsleben für die einzelnen Sprecher nur noch in der Mehrheitssprache präsent, so dass ein weiterer Kompetenzverlust in der Minderheitensprache eintritt, so ein Ergebnis der Befragung.

Heinrich Schultz, Vizepräsident der FUEV sagte: ?Die Medien sind der Schlüssel zum Verständnis der Minderheiten, und so ist es folgerichtig, dass die FUEV die Informationspolitik der Minderheiten, die Möglichkeiten, die sich durch die neuen Medien bieten und die Behandlung der traditionellen Publikationen auf die Tagesordnung setzt. Die FUEV hat eine Arbeitsgruppe zum Thema eingesetzt, der Minderheitenvertreter, Medienvertreter und Informationspolitiker angehören."