Bautzen, den 19. Mai 2008

Sehr geehrte Damen und Herren,

erstmals in der Geschichte des sorbischen Volkes organisieren wir am 29.
Mai eine Demonstration der Sorben in Berlin, um unseren Forderungen am
Regierungssitz Ausdruck zu verleihen. Beigefügt erhalten Sie dazu nähere
Informationen. Zugleich bitten wir Sie sehr herzlich um Unterstützung
unserer Anliegen.
Für Rückfragen stehen Ihnen Frau Dr. Anja Pohonč vom Sorbischen Institut
(Tel. 03591-49720, E-Mail: anja@serbski-institut.de sowie Karl-Heinrich
Starke vom Sorbischen Nationalensemble, Tel. 0160-1914331, E-Mail:
khstarke@gmx.de) gern zur Verfügung.

Z přećelnym postrowom / Mit freundlichen Grüßen
Borbora Felberowa / Bärbel Felber

Nowinska rěčnica / Pressesprecherin der Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V.
Postplatz 2 / 02625 Bautzen / Budyšin
Tel. 035 91-55 02 02 / Fax: 03591- 424 08
E-Mail: felber-pr-domowina@sorben.com, www.domowina.de

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Budyšin/Bautzen, dnja 19.05.2008

Sorben werden in Berlin demonstrieren

„Unser Protest, den wir am 17. März in Bautzen erhoben haben, wurde
offensichtlich nicht gehört. Deshalb wiederholen wir unsere Forderungen
und tragen sie nach Berlin.“ Darauf verständigte sich die
Initiativgruppe der Betriebs- und Personalräte der sorbischen
Institutionen: Sorbisches Institut, Deutsch-Sorbisches Volkstheater,
Sorbisches Nationalensemble, Domowina-Verlag, WITAJ-Sprachzentrum und
Stiftung für das sorbische Volk, die von der Domowina unterstützt wird.
Sie beschloss, am 29. Mai im Stadtzentrum von Berlin eine Demonstration
von Sorben und Freunden der Sorben zu organisieren. Der Treffpunkt für
alle Teilnehmer ist am 29. Mai 2008 um 15.45 Uhr in Berlin auf dem
Bebelplatz / Unter den Linden. Der Demonstrationszug begibt sich dann in
Richtung Brandenburger Tor und Bundestag, wo ca. 16.45 Uhr die
Abschlusskundgebung vorgesehen ist. Der genaue Ort dafür wird zur Zeit
mit den Verantwortlichen in Berlin abgestimmt.

„Wir fordern ein langfristiges Finanzierungsabkommen zwischen Bund,
Brandenburg und Sachsen, das die Förderung der sorbischen Sprache und
Kultur auf Projekt- und Institutionsebene in auskömmlicher Höhe
garantiert und die laufende Kostenentwicklung berücksichtigt“, heißt es
in dem dazu veröffentlichtem Aufruf (siehe Anlage). Für dieses Jahr sind
16,4 Millionen Euro für den Erhalt und die Tätigkeit der sorbischen
Einrichtungen und Projekte erforderlich, die von der Stiftung für das
sorbische Volk zur Verfügung zu stellen sind. Der Stiftungsetat wird zur
Hälfte vom Bund, zu zwei Dritteln dem Freistaat Sachsen und einem
Drittel vom Land Brandenburg erbracht; gegenwärtig ist ein Teil der
Mittel den Bundes und Brandenburgs jedoch immer noch gesperrt; Sachsen
als dritter Geldgeber ist bisher immer seinen Verpflichtungen
nachgekommen.

Seit 1. Januar 2008 gibt es kein gültiges Finanzierungsabkommen zwischen
dem Bund und beiden Ländern. Die Sorben fordern seit langem eine
langfristige Sicherung des Stiftungsetats in auskömmlicher Höhe und
unter Beachtung des Inflationsausgleichs, um die sorbischen Projekte und
Institutionen auch in Zukunft zu sichern. Gegenwärtig gibt es noch
keinen Termin für den Abschluss eines neuen Finanzierungsabkommens; auch
die Höhe der Förderung ist bisher nicht bekannt.

Zur Stiftung für das sorbische Volk

Am 19.10.1991 wurde per Erlass die Stiftung für das sorbische Volk als
zunächst nichtrechtsfähige Stiftung des öffentlichen Rechts im
Geschäftsbereich der Sächsischen Staatskanzlei mit Sitz in Bautzen
gegründet. Unter Berücksichtigung, dass das sorbische Volk jenseits der
Grenzen der BRD keinen Mutterstaat hat und gestützt auf die in der
Protokollnotiz Nr. 14 zu Art. 35 des Einigungsvertrages erklärte
Verpflichtung der Bundesrepublik gegenüber dem sorbischen Volk wurden so
die materiellen Rahmenbedingungen
für die Sicherung und Entwicklung der sorbischen Sprache, Kultur und
Traditionen geschaffen.

Mit Unterzeichnung des Staatsvertrages zwischen dem Land Brandenburg und
dem Freistaat Sachsen über die Errichtung der "Stiftung für das
sorbische Volk" vom 28.08.1998 erlangte die Stiftung ihre
Rechtsfähigkeit.
Gleichzeitig wurde ein bis zum 31.12.2007 gültiges Finanzierungsabkommen
zwischen dem Bund und den Ländern Brandenburg und Sachsen vereinbart.
Auf dieser Grundlage erhält die Stiftung zur Erfüllung des
Stiftungszweckes jährliche Zuschüsse.

(Aus: http://www.stiftung.sorben.com)

Zur Geschichte der Sorben


Die Sorben oder Wenden in beiden Lausitzen zählten zu jenen
elbslawischen Stämmen, die ab dem 6. Jahrhundert in das Gebiet zwischen
Oder und Elbe/Saale einwanderten. Obwohl seit dem 10. Jahrhundert
deutscher Obrigkeit unterworfen, konnten sie ihre ethnische Eigenart bis
in die Gegenwart hinein erhalten.

Im frühen 19. Jahrhundert erwachte unter dem Einfluss von Aufklärung und
Romantik sowie der nationalen Wiedergeburt anderer slawischer Völker
auch das nationale Bewusstsein der Lausitzer Sorben. 1845/47 wurde die
erste wissenschaftlich-kulturelle (gesamtsorbische) Gesellschaft, die
"Maćica Serbska", gegründet; sie nahm sich der geistigen Belange des
sorbischen Volkes in vielfältiger Weise an. In den folgenden Jahrzehnten
entwickelte sich ein relativ breites Pressespektrum, es erschienen
wissenschaftliche und belletristische Publikationen. 1912 schlossen sich
die sorbischen Vereine im Dachverband "Domowina" zusammen, um dem
anhaltenden politischen und wirtschaftlichen Druck sowie der
Germanisierung zu begegnen.

In der Zwischenkriegszeit bemühten sich die Sorben um die Verwirklichung
der in der Weimarer Verfassung verankerten nationalen Rechte (Artikel
113). Es kam zu einem Aufschwung in Literatur, Kunst, Musik und
Wissenschaft. 1937 wurden sorbische Kultur und Sprache durch ein Verbot
der nazistischen Führung praktisch völlig aus der Öffentlichkeit
verbannt. Dank der Niederlage des deutschen Faschismus entging das
sorbische Volk der angedrohten physischen Vernichtung.

Der Sächsische Landtag verabschiedete 1948 das "Gesetz zur Wahrung der
Rechte der sorbischen Bevölkerung", das neue, stabile Strukturen im
Kulturleben ermöglichte. Nun begann eine staatliche Förderung sorbischer
Schulen sowie sorbischer bzw. sorabistischer Kultur-, Bildungs- und
Forschungsstätten (z. B. Theater, National-Ensemble, Verlag,
Universitäts- und Akademie-Institut). Trotz materieller Unterstützung
schritt auch in der DDR-Zeit die ethnische Assimilation fort. Teile des
sorbischen Siedlungsgebiets wurden im Interesse einer extensiven
Braunkohlenförderung devastiert, restriktive Verordnungen im
Bildungswesen schädigten die nationale Substanz.
Werke von Schriftstellern, Komponisten und Malern konnten in einigen
Fällen nationale Grenzen überschreiten, kulturelle Traditionen wurden
erhalten und ausgebaut. Die Sorabistik erlangte internationale
Anerkennung als Teil der Slawistik.

Nach dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland im Jahr 1990
entfaltete sich unter den Sorben ein differenziertes Vereinsleben, die
politischen und kulturellen Bestrebungen wurden im erneuerten
Dachverband "Domowina" zusammengefasst. Der Freistaat Sachsen und das
Land Brandenburg gewährten in ihren Verfassungen und in weiteren
Gesetzen den Sorben politische Rechte. Sie verpflichteten sich im Erlass
der von ihnen gemeinsam mit dem Bund errichteten "Stiftung für das
sorbische Volk" (1991), sorbische Sprache, Kultur und Wissenschaft
zwecks Erhaltung sorbischer Identität zu fördern.

(Aus: http://www.serbski-institut.de ; dort finden Sie auch eine Zeittafel und
Informationen zur sorbischen Sprache)

Weitere Informationen unter http://www.domowina.de