Presseinformation
Bautzen, den 19. Mai 2008
Sehr geehrte Damen und Herren,
wie Sie dem beigefügten Text von Jan Diedrichsen entnehmen können,
findet vom 22. bis zum 24. Mai in Pécs (Ungarn) die 53. Jahrestagung der
FUEV, der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen statt. Der
Kongress beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Minderheiten zu Medien
und mit der Zukunft der neuen Medien. Neben mehreren sorbischen
Redaktionen nehmen an ihm der Geschäftsführer und der stellvertretende
Geschäftsführer, Bernhard Ziesch und Harald Konzack teil, Mitglied des
Rundfunkrates des MDR bzw. des RBB, sowie die Pressesprecherin der
Domowina, Bärbel Felber.
FUEV und Domowina
Die Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen wurde 1949
gegründet. Nach der politischen Wende wurde die Domowina im Jahr 1990
auf dem Kongress in München als Mitglied aufgenommen. Bereits 1992 fand
ein FUEV-Kongress in Cottbus statt, auf dem die so genannte Cottbuser
Deklaration beschlossen wurde. In ihr fordern die nationalen
Minderheiten Europas ein Zusatzprotokoll zum Schutz nationaler
Minderheiten im Rahmen der Europäischen Menschenrechtskonvention.
Vom 24. bis zum 27. Mai fand in Bautzen der 51. FUEV-Kongress statt. Im
Mittelpunkt stand dabei das Thema Bildung, das die rund 250 Teilnehmer
mit europäischen Experten diskutierten. Die Ausdehnung der
Mitgliedschaft in Richtung Osten ist ein Ergebnis der politischen Wende
im Prozess der Globalisierung. Die Domowina organisiert im Rahmen der
FUEV jährlich ein Seminar für slawische Minderheiten zu den
unterschiedlichsten Themen des Minderheitenrechts.
Z přećelnym postrowom / Mit freundlichenGrüßen
Borbora Felberowa / Bärbel Felber
Nowinska rěčnica / Pressesprecherin der Domowina – Bund Lausitzer Sorben e.V.
Postplatz 2 / 02625 Bautzen / Budyšin
Tel. 035 91-55 02 02 / Fax: 03591- 424 08
E-Mail: felber-pr-domowina@sorben.com, www.domowina.de
***
Liebe Kolleginnen und Kollegen,
Medien stehen im Mittelpunkt der 53. Jahrestagung der FUEV, der
Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen, die vom 22.-24. Mai im
ungarischen Pécs an der Grenze zu Kroatien stattfindet. Der Kongress
beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Minderheiten zu Medien und mit
der Zukunft der neuen Medien. Aber auch die Delegierten für das neu
vereinbarte Dialogforum der autochthonen Minderheiten am Europäischen
Parlament werden während der Delegiertenversammlung gewählt und der
Arbeitsschwerpunkt der FUEV zum Erhalt von Regional- und
Minderheitensprachen in Europa wird vorgestellt.
Wenn Sie Fragen haben, wenden Sie sich bitte an:
Jan Diedrichsen, jan.diedrichsen@fuen.org; Tel. +45 22 30 88 76,
Andrea Kunsemüller aku@vetnet.dk, Tel. +45 51 20 99 93.
Wegen technischer Fragen kontaktieren Sie bitte Frank Nickelsen,
info@fuen.org.
Wir versuchen Ihnen so weit wir können, behilflich zu sein.
In Pécs steht Ihnen während des Kongresses ein Raum mit
Internetanschluss zur Verfügung.
Wir freuen uns auf Ihr Kommen!
Freundliche Grüsse
Das Team
53. Jahreshauptversammlung der FUEV in Pécs:
Medien stehen im Mittelpunkt
(FUEV, Föderalistische Union Europäischer Volksgruppen) 178 Teilnehmer
aus 27 Ländern von 38 europäische Minderheiten werden zum 53. Kongress
der FUEV, der Föderalistischen Union Europäischer Volksgruppen, im
ungarischen Pécs/Fünfkirchen an der Grenze zu Kroatien erwartet. Die
Jahreshauptversammlung der größten Minderheitenorganisation in Europa
widmet sich hauptsächlich dem Thema Medien. Sie findet vom 22.-24. Mai
statt.
Pécs /Fünfkirchen, (kroat. Pe?uh), nahe der kroatischen Grenze gelegen,
ist mit 160.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Ungarns. Pecs wird wie
Essen und Istanbul 2010 Kulturhauptstadt Europas.
Pécs ist eine multikulturelle Stadt und beherbergt ein eigenes Gymnasium
für Sinti und Roma, das einzige seiner Art. Der Name des Gymnasiums ist
Programm: es ist nach dem großen indischen Friedensstifter Mahatma
Gandhi benannt. Es ist selbstverständlich, dass die Kongressteilnehmer
dem Gandhi-Gymnasium besondere Aufmerksamkeit widmen, sind doch auch die
Sinti und Roma Mitglieder der FUEV.
Aber auch in der Politik wird der Kongress wahrgenommen. So werden
hochrangige Vertreter der ungarischen Regierung zum 53. Kongress der
FUEV erwartet: Die Präsidentin des Ungarischen Parlaments, Dr. Katalin
Szili, gibt einen Empfang, und andere Vertreter der ungarischen
Regierung, so Staatssekretär Ferenc Gemesi, Vertreter der Abteilung
Nationale Minderheiten und Csaba Tabajdi, Vorsitzender des kürzlich
gegründeten Dialogforums beim Europäischen Parlament in Strassburg,
kommen nach Pécs. Den Festvortrag hält der Bürgermeister von Pécs, Péter
Tasnádi, MdP.
Hauptthema des Kongresses sind die Medien. Die FUEV diskutiert das
Grundrecht auf Medienpräsenz, denn Minderheiten haben zwar zum Teil ihre
eigenen Minderheitenpublikationen, aber es fällt schwer, sich in den
Mehrheitsmedien Gehör zu verschaffen. So geraten Minderheiten häufig in
den Geruch, sektiererische Außenseiter zu sein, einfach, weil die
Mehrheitsbevölkerung zu wenig über sie weiß.
Die Jahreshauptversammlung der autochthonen nationalen Minderheiten
stellt daher die Frage, wie ein Grundrecht auf Medienpräsenz
verwirklicht werden kann. Dabei sieht es so aus, als strafe die Präsenz
der Medienvertreter die These Lügen, nicht gehört und wahrgenommen zu
werden. Sowohl Vertreter regionaler Minderheitenzeitungen als auch
Mitteldeutscher Rundfunk, Phönix, Radio Berlin Brandenburg (RBB), Radio
Agora aus Kärnten und Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) haben sich
angesagt.
Ungarn selbst ist in Sachen Medien und Minderheiten ein
fortschrittliches und vorbildliches Land: hier haben die öffentlichen
Radio- und Fernsehdienste die regelmäßige Gestaltung und Übertragung von
Programmen der Minderheiten zu gewährleisten. Das Radio- und
Fernsehgesetz verpflichtet darüber hinaus öffentliche Sendestationen,
sich um Kultur und Muttersprache der nationalen und ethnischen
Minderheiten in Ungarn zu kümmern und systematisch Informationen in
deren Sprachen zu liefern. Bei einem Besuch in den Regionalstudios des
ungarischen Rundfunk und des ungarischen Fernsehens in Pécs sollen die
Kongressteilnehmer sich selber ein Bild über die Arbeit in und mit den
Medien machen.
Wie aber sieht die Zukunft aus? Wer sind die neuen Medien, und wie kann
man sie für sich nutzen? Eine Bestandsaufnahme der jetzigen
Mediensituation auf europäischer Ebene liefert das Mercator Institut der
Universität von Wales. Seine Untersuchung, die auf dem Kongress
vorgestellt wird, soll die Grundlage bilden für die weitere Arbeit mit
alten und neuen Medien.
Zum ersten Mal wird Hans Heinrich Hansen als neu gewählter Präsident der
FUEV den Vorsitz inne haben. Was ihm am wichtigsten ist?
?Jeder 7. Europäer gehört einer Minderheit an, und da ist es an der
Zeit, dass Minderheiten auch in der Öffentlichkeit präsent sind. Sie
gehören zur Vielfalt und zum Reichtum in Europa, und die FUEV als größte
Dachorganisation für über 80 Minderheiten in Europa trägt dazu bei, dass
diese Vielfalt erhalten bleibt.
Es gibt über 60 Regional- und Minderheitensprachen in Europa, und es
gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, wie viel verloren
ginge, wenn wir die eigene Sprache nicht mehr hätten. Sprache ist
Heimat, und deshalb hoffen wir, dass die EU uns in unserem Anliegen
unterstützt, um den Erhalt der Regional- und Minderheitensprachen zu
kämpfen. Es ist ja bewiesen, dass man schneller eine dritte und vierte
Sprache lernt, wenn man in zwei Sprachen aufwächst wie wir
Minderheitenangehörigen das ja tun, und deshalb sind wir sozusagen
geborene Vertreter für die Zielsetzung der EU, neben der eigenen Sprache
noch zwei andere zu beherrschen.
Aber wir müssen auch mehr Gehör in der Öffentlichkeit finden. Denn
natürlich sind Minderheiten insbesondere dann bedroht, wenn man nicht
weiß, wer sie sind und was sie machen und warum es sich lohnt, sie zu
unterstützen. Deshalb beschäftigen wir uns mit dem Thema Medien. Wir
versuchen, unserer Zeit ein Stück weit voraus zu sein, um die
Entwicklung mit gestalten zu können. Wir brauchen dafür politische und
finanzielle Unterstützung von der Politik. Auf der anderen Seite sind
wir aber auch selbst gute strategische Partner für die Politik, können
wir doch mit unserem Wissen und mit unseren Kontakten möglicherweise
sogar zur Befriedung der Verhältnisse in Europa beitragen. Deshalb sind
wir froh, dass wir in Pécs so viele hochrangige Vertreter insbesondere
der ungarischen Politik begrüßen können.
Ich selbst bin natürlich auch sehr gespannt auf den Kongress, ist es
doch das erste Mal, dass ich ihn leite. Wir haben sehr viel Arbeit in
die Vorbereitung gesteckt, und ich hoffe, dass alles klappt. Ich freue
mich sehr darauf, die Mitglieder der FUEV zu sehen. Viele sind zu
Freunden geworden, und es wäre schön, wenn das Gefühl von Gemeinsamkeit
noch stärker wird als es ohnehin schon ist. Die Vielfalt Europas
spiegelt sich ja in der Zusammensetzung der Delegierten und in den
Gesichtern der Kongressteilnehmer wider. Da kommen die Menschen aus
Kirgistan und aus Ungarn, Rumänien, Polen, Deutschland und Dänemark. Da
begrüßen wir die Bretonen und die Cornwaliser - und alle haben ein
gemeinsames Thema. Das ist doch schon ein Gewinn an sich. Wenn wir es
dann noch schaffen, dem Ganzen ein Gesicht zu geben, haben wir viel
gewonnen," so der Präsident der FUEV, Hans Heinrich Hansen.
Am Abschluss des Kongresses soll eine gemeinsame Erklärung zum Thema
Medien stehen.