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Januar [oben]
In der Bundesrepublik Deutschland trat die Europäische Charta zum Schutze der Minderheitensprachen in Kraft. Rechtlichen Schutz genießen die nieder- und obersorbische, die dänische, die nord- und saterofriesische Sprache sowie die Sprache der deutschen Sinti und Roma. In der Charta wird z. B. nur für den Freistaat Sachsen und das Land Brandenburg festgestellt (Artikel 9), dass in straf- und in zivilrechtlichen Verfahren die mündliche und schriftliche Inanspruchnahme der sorbischen Sprache zugelassen ist.
Die künstlerische Leitung des sorbischen Zirkels schreibender Werktätiger Rosenthal/Ró¾ant übernahm nach dem Tode von Kata Malinkowa (1931-1998) zu Beginn des Jahres der Dichter Beno Budar.
Helmut Hanèo, Bürgermeister aus Schleife/Slepo, besuchte am 07. 01. die Kindergärten in Panschwitz-Kuckau/Panèicy-Kukow, Crostwitz/Chrósæicy und Königswartha/Rakecy, für die das Christlich-Soziale Bildungswerk (CSB) mit Sitz in Miltitz/Mi³oæicy die Trägerschaft übernommen hatte. Der Bürgermeister, der auch eine freie Trägerschaft für den örtlichen Kindergarten erwägt, sammelte Erfahrungen besonders auch auf dem Gebiet der Pflege der sorbischen Sprache und Kultur in diesen Einrichtungen des CSB.
Erste der 15 Vorstellungen des Vogelhochzeitsprogramms des Sorbischen National-ensemble fand am 08. 01. in Spremberg/Gródk statt. In der Niederlausitz wird dieses Programm als Zapustfeier aufgeführt.
Die Vogelhochzeit (25. 01.) ist ein lebendiger Brauch in der Oberlausitz, der heute sowohl von Kindern als auch von Erwachsenen in verschiedenen Formen begangen wird.
Der Zapust ähnelt den älteren Fastnachtsbräuchen: der Winter wird vertrieben, der Frühling begrüßt.
Das Sorbische Nationalensemble/Serbski ludowy ansambl hatte auch in diesem Jahr ein gesondertes Programm für Kindervorstellungen einstudiert. 24 Mal trat es vor 9.000 sorbischen und deutschen Schülern der Lausitz auf.
Die Kinder der Kindertagesstätte in Ralbitz/Ralbicy stellten am 26. 01. den Mitarbeitern der Landesanstalt für Landwirtschaft in Pillnitz vor, wie sie in sorbischen Hochzeitstrachten mit Lied und Tanz ihre Vogelhochzeit feiern.
Eine EU-Informationsstelle für den ländlichen Raum im Freistaat Sachsen wurde am 08. 01. in Miltitz/Mi³oæicy beim Christlich-Sozialen Bildungswerk eröffnet.
Diese Institution soll auch als Brücke nach Tschechien und Polen dienen. Von den 103 Foren der EU befinden sich neun in Deutschland, davon vier in den neuen Bundesländern.
Im Hause des Europäischen Parlaments in Brüssel fand am 13. und 14. 01. ein Forum des Ausschusses für Regionen der EU statt, an dem die Sorbische Kulturinformation (SKI) Bautzen/Budy¹in über die Sorben berichtete. "Gleichheit bedeutet Recht, anders zu sein" lautete das Motto der Diskussion über Rechte der Minderheiten in Europa.
Zu einem Literaturabend mit Ró¾a Doma¹cyna aus Bautzen/Budy¹in hatte das Goethe-Institut in Dresden eingeladen (13. 01.). Die Dichterin, die erfolgreich in sorbischer und deutscher Sprache schreibt, las aus ihren beiden Gedichtbänden "Zwischen gangbein und springbein" (erschienen 1995) und "selbstredend selbzweit selbdritt" (1998). Für sie ist die Zweisprachigkeit eine Möglichkeit des Bewegens zwischen zwei alternativen Sprachklängen.
Der polnische katholische Geistliche Jaros³aw Zab³ocki aus Wroc³aw (Polen) wurde zum 15. 01. vom Bischof Joachim Reinelt als Kaplan in der sorbischen Pfarrgemeinde Crostwitz/Chrósæicy eingesetzt und erlernt hier auch die sorbische Sprache.
Der sorbische Sportverein "Serbski Soko³ e.V." bestätigte auf seiner Jahreshaupt-versammlung am 16. 01. in Horka/Hórki den Vorstand (Vorsitzender Achim Kowar) und den Arbeitsplan für das Jahr 1999, in dem sportliche Wettbewerbe für Schüler sowie Volleyball- und Fußballturniere sowie Beziehungen zum tschechischen Sokol-Verband vorgesehen sind.
"Die sorbische Sprache und das Nationalbewußtsein ihrer Träger" lautete das Thema der öffentlichen Veranstaltung der Maæica Serbska /Sektion Sorbische Sprache am 16. 01. in Bautzen/Budy¹in. Im Mittelpunkt der Konferenz standen Sprachprobleme in national-gemischten Familien.
Das "Gesetz über die Rechte der Sorben im Freistaat Sachsen" wurde am 20. 02. einstimmig im Sächsischen Landtag angenommen. Zuvor war die Gesetzesvorlage auch in der sorbischen Öffentlichkeit diskutiert und am 17.09.1998 den Landtagsabgeordneten zur Bearbeitung in den Ausschüssen vorgelegt worden.
Aus der Parlamentsdebatte auf der 95. Sitzung des Sächsischen Landtages am 20. Januar 1999 (Auszüge):
Prof. Dr. Hans Joachim Meyer (CDU), Staatsminister für Wissenschaft und Kunst:
Mit diesem Gesetz entsprechen wir der Zusage der Sächsischen Verfassung an die im Land lebenden Bürger sorbischer Volkszugehörigkeit, ihr Recht auf Bewahrung ihrer Identität sowie auf Pflege und Entwicklung ihrer angestammten Sprache, Kultur und Überlieferung zu schützen und zu gewährleisten. Schon darin besteht der außerordentliche Rang dieses Gesetzes, dass es ein Gesetz für die sorbische Volksgruppe ist.
Dennoch wäre es keineswegs ausreichend, dieses Gesetz als Ausdruck des Volksgruppen-rechtes oder vielleicht auch nur des Minderheitenrechts zu sehen, denn indem wir das Mögliche tun - die Sorben, die seit Jahrhunderten in der Ober- und Niederlausitz und damit heute überwiegend in Sachsen ihre historische Heimat haben, dabei zu schützen, ihre Identität auch in der Gegenwart und Zukunft zu bewahren -, indem wir das tun, erhalten wir zugleich ein kostbares Stück der europäischen Vielfalt, die unser Leben reicher macht. Damit trägt dieses Gesetz zugleich zum guten Ruf Deutschlands unter seinen europäischen Partnern bei.
Marko ©iman (CDU):
Ich finde es auch sehr wichtig, dass die in den bisherigen Fachgesetzen geregelten Fragen zu sorbischen Themen - Schulgesetz, Kindergartengesetz, die ganze Palette der Kommunalgesetze - so von Ihnen in der Fachverantwortung belassen worden sind und dass es nicht zu einem großen Gesetzesentwurf gekommen ist, der alles in eins vereinheitlicht hat. Wir waren uns - ich glaube, dies war gut so - sehr einig in der Frage, dass man Verantwortung bei den Fachbereichen lassen sollte, um dann auch entsprechend die Verantwortung anzumahnen, wenn die Fragen nicht richtig bearbeitet werden.
Das Hohe Haus hat sich nunmehr nach einer soliden und ausgiebigen Diskussion - ich glaube, alle meine Vorredner haben darauf hingewiesen - zur Formulierung dieses Gesetzes dem Grunde nach verständigt. Für mich ist dies Ausdruck für den am 26. Mai 1992 geschmiedeten Verfassungskonsens; denn an diesem Tage hatte erstmals die Verfassung eines Bundeslandes die Regelung rechtlicher Fragen der sorbischen Landsleute aufgenommen.
Gunther Hantzsch (SPD):
Wenn wir heute im Sächsischen Landtag ein Gesetz verabschieden, welches die Rechte der sorbischen Minderheit im Freistaat Sachsen regelt, so sind wir uns, und davon gehe ich aus, über die Grenzen der Fraktionen hinweg einig, dass damit ein längst fälliger Schritt seinen Abschluss findet.
Es ist ein Schritt von symbolischer und politischer Bedeutung. Der Gesetzestext vom März 1948 bedurfte dringend einer Modernisierung angesichts der heute veränderten staatsrechtlichen Verhältnisse.
Dem vorausgegangen ist eine ausführliche und sachliche Diskussion. Die Stellungnahme des Sächsischen Landkreistages, des Sächsischen Städte- und Gemeindetages und der Domowina haben die Formulierung des Gesetzestextes in konstruktiver Weise beeinflusst.
Die Betroffenen, Fachleute und Sachverständigen in der Öffentlichen Anhörung waren sich einig in der Aussage: die Sorben werden grundsätzlich als ein Volk mit besonderen sprachlichen, kulturellen und sozialen Gemeinsamkeiten anerkannt.
Sieghard Kozel (PDS):
Die Tatsache ist die, und dies ist erfreulich, dass wir heute in diesem Hause einen feierlichen Akt erleben werden, einen symbolischen Akt, nämlich die Verabschiedung eines Gesetzes, das sich zu den sehr ordentlichen Gesetzen über Minderheiten und Volksgruppen in Europa gesellt, also auch dem Freistaat Sachsen zum Ruhme und zum Vorteil gereicht - einen politischen Akt, nämlich einen Bekenntnisakt zur weiteren Förderung des sorbischen Volkes und schließlich einen gesetzgeberischen Akt.
Volker Schimpff (CDU):
Die Rechte des sorbischen Volkes sind, wie es im heute zu behandelnden Gesetz heißt, Rechte, die "das sorbische Volk und jeder Sorbe" haben. Der Schutz der Rechte jedes Sorben ist Minderheitenschutz. Die Sächsische Verfassung und dieses Gesetz aber begründen Rechte des sorbischen Volkes als Gruppe, sie sind über die Minderheitenrechte hinausgehend Volksgruppenrecht. Damit geht die rechtliche Stellung des sorbischen Volkes in Sachsen über das in internationalen Konventionen Geforderte hinaus.
Der Regionalverband der Domowina Delnja £u¾ica (Niederlausitz) konnte auf der Hauptversammlung in Stradow/T¹adow am 22. 01. u. a. feststellen, dass im Berichts-zeitraum ein erster sorbischer Kindergarten in Sielow/®ylow eröffnet und beim Kreistag Spree-Neisse ein Ausschuss für sorbische Angelegenheiten berufen wurde. Der ¾upan/ Regionalvorsitzende Bjarnat Rjent¹ orientierte darauf, dass für die 1800 Mitglieder des Regionalverbandes weiterhin die Mitarbeit in den der Domowina angeschlossenen Ortsgrup-pen und Vereinen von größter Bedeutung ist. In einem Schreiben forderten die Delegierten die brandenburgische Ministerin für Bildung/Kultus Angelica Peter auf, Entscheidungen über das Schulprogramm des niedersorbischen Gymnasiums in Cottbus/Choæebuz zu treffen.
"Dichter und Literatur im Sechsstädtebund" (Band 5 der Reihe "Erbepflege in Kamenz") erschien anlässlich der 38. Lessingtage in Kamenz/Kamjenc. Am 22. 01. - den 270. Geburtstag von Gotthold Ephraim Lessing - wurde es der Öffentlichkeit übergeben. Das Buch beinhaltet historische Studien und Essays zur Literaturentwicklung im Sechsstädtebund - u. a. auch einen Beitrag von Prof. Dr. Dietrich Scholze aus Bautzen/Budy¹in über das sorbische Schrifttum von der Aufklärung bis zur Postmoderne.
Auf der 64. Grünen Woche in Berlin gestalteten am 22. 01. ein Trachtenverein aus Schmogrow/Smogorjow, die Bauernstube aus Heinersbrück/Most und Volkskünstlerinnen aus Drachhausen/Hochozy ein gesondertes Programm, das die Lebendigkeit der sorbische Kultur und Tradition bezeugte.
Als neunen Intendanten des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters Bautzen / Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o Budy¹in berief der Kreistag Bautzen am 25. 01. Lutz Hillmann, der bereits seit April 1998 das Theaterhaus sehr erfolgreich leitete.
Die Prager Gesellschaft der Freunde der Lausitz (Spoleènost pøátel Lu¾ice), gegründet 1907, eröffnete am 26. 01. im Sorbischen Seminar in Prag seinen monatlichen Vortragszyklus für das Jahr 1999 mit neuesten Filmproduktionen des Sorabia-Film-Studios aus Bautzen/Budy¹in. Jurij £u¹æanski, Referent für Öffentlichkeitsarbeit im Bundesvorstand der Domowina, stellte den Pragern die Vorhaben des sorbischen Dachverbandes vor.
Ein Fest der sorbischen Sprache feierten die Schüler der Grundschule in Kotten/Koæina am 26. 01. Der Volkskünstler Korla Tilich aus Klein-Neida/Ma³a Nydej begeisterte die Kinder mit seinem Spiel auf dem sorbischen Dudelsack. Am Tag zuvor hatte er an der Schule "Handrij Zejler" in Hoyerswerda/Wojerecy sein Instrument und dessen Spielweise erläutert.
Das Gemeindeparlament Radibor/Radwor (Kreis Bautzen/Budy¹in) änderte am 27. 01. die Satzungen über die Förderung der sorbischen Kultur und Sprache. Die Ortsgruppe der Domowina bestimmt nunmehr den Verantwortlichen für sorbische Angelegenheiten der Gemeinde. Der Vorsitzende der Ortsgruppe, Jan Pawlik, würdigte den Entschluss als einen Beweis für die Kompetenz der Domowina-Mitglieder auf kommunalem Gebiet.
Der Deutsche Bundestag wählte am 28. 01. Barbara Wittig (SPD) und Ulrich Klinkert (CDU) in den Parlamentarischen Beirat der Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud. Beide Politiker aus der Oberlausitz vertreten in dieser Legislaturperiode den Bundestag im genannten Beirat, dem auch Abgeordnete der Landtage Sachsen und Brandenburg angehören.
In Cottbus/Choæebuz stellte am 28. 01. Dr. Pìt¹ ©urman sein Buch "Die Sorbische Bewegung 1945-1948 zwischen Selbstbehauptung und Anerkennung" vor. Diese Dissertationsschrift zur sorbischen Geschichte untersucht den Entwicklungsprozess unter neuen Aspekten und begründet die unterschiedlichen Erscheinungsformen der nationalen Bewegung der Sorben in der Nieder- und Oberlausitz.
Die deutsch-sorbische Gemeinde Schlepzig/Slopi¹æa erhielt im Bundeswettbewerb "Unser Dorf soll schöner werden" am 28. 01. eine Silbermedaille. Das Dorf mit seinem Agrarhistorischen Museum bildet eine Zentrum des Tourismus im Spreewald.
In Laske/£azk wird auf Beschluss des Gemeinderates Ralbitz-Rosenthal/Ralbicy-Ró¾ant vom 28. 01. eine weitere, die letzte Betsäule (sorbisch "swìæatko" oder "modlerski sto³p") restauriert. Man findet diese Steinsäulen vorwiegend in Dörfern und in Fluren des katholischen Gebietes im Sorbenland. Die eigentlichen Beweggründe für das Aufstellen dieser Steinsäulen sind unbekannt.
Der Bundesvorstand der Domowina wählte am 29. 01. die vier sorbischen ordentlichen Mitglieder aus Sachsen für den Rat der Stiftung für das sorbische Volk: Ludmila Budarjowa aus Bautzen/Budy¹in, Bjarnat Cy¾ aus Neu-Jeßnitz/ Nowa Jaseñca, Clemens Hrjehor aus Crostwitz/Chrósæicy und Alfons Ryæer aus Schönau/©unow .
Zugleich bestätigte der Vorstand die niedersorbischen (brandenburgischen) Mitglieder des Stiftungsrates: Harald Koñcak und Bjarnat Rjent¹, die der Sorbische Rat des Landtages gewählt hatte.
Februar [oben]
Der weiterem Vertiefung der kulturelle Zusammenarbeit von polnischen, sorbischen und deutschen Bürgern diente der Besuch des polnischen Bürgermeisters Tomasz ¯o³kiewicz aus Tuplice am 02. 02. in der niederlausitzer Gemeinde Hornow/Le¹æe.
Sorbische Fachleute vom Bau diskutierten am 03. 02. in Crostwitz/Chrósæicy mit Architekten über aktuelle Fragen der Zusammenarbeit. Eingeladen hatte zu dieser Veranstaltung der Bund sorbischer Handwerker und Unternehmer/Zwjazk serbskich rjemjeslnikow a pøedewzaæelow.
33 Neuanschaffungen sorbischer bildenden Kunst, die das Sorbische Museum/Serbski muzej in Bautzen/Budy¹in in den Jahren 1995-1998 von Privatpersonen und anderen Museen erwarb, sind in einer Kabinettsaustellung seit dem 05. 02. zu sehen.
Zur Förderung der sorbischen dramatischen Kunst hat die Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud am 05. 02. einen Wettbewerb ausgeschrieben. Bewertet werden literarische Vorlagen für Schauspiele, Puppentheater und Libretta in Nieder- oder Obersorbisch.
An 05. 02. wurde auch der alljährliche Wettbewerb um das schönste sorbische Osterei 1999 ausgeschrieben, als deren Träger der Förderkreis für sorbische Volkskultur/Spìchowanski kruh za serbsku ludowu kulturu zeichnet.
Dem sorbischen Filmwissenschaftler Dr. Alfred Krautz-Krawc, der am 07. 02. seinen 65. Geburtstag feierte, widmete die Kulturzeitschrift "Rozhlad" einen Jubiläumsartikel, in dem Dr. Toni Bruk, Leiter des Sorabia-Film-Studios in Bautzen/Budy¹in, die Verdienste des Jubilars für den ersten sorbischen Film "Struga - Bilder einer Landschaft", für die internationale Anerkennung der sorbischen Filmkunst und als Autor des Lexikons "International Directory of Cinematographers Set- and Costume Designers in Film" (K. G. Saur, München) würdigt.
Als weitere Arbeitsvorhaben von A. Krawc werden erwähnt: " Ein weiterer Band des Filmlexikons, Ausstellung sorbischer bildender Künstler im Ausland, ein Manuskript für ein neues Buch über Kunst ..."
Rozhlad 49(1999)3
"Sorbische Gesetzgebung - wie weiter" hieß die Veranstaltung des Forums der sächsischen und brandenburgischen PDS in Hoyerswerda/Wojerecy am 08. 02. Der Landtagsabgeordnete Sieghard Kozel verwies auf die zunehmende Bedeutung der Minderheitenfrage im europäischen Maßstab. Mit den beiden Sorben-Gesetzen in Sachsen und Brandenburg erhielt das Minderheitenrecht in Deutschland mehr Gewichtigkeit.
"Doch die letzte Konsequenz, die Eintragung in das Grundgesetz, fehlt weiterhin."
Serbske Nowiny am 09. 02.1999
Der alljährlich stattfindende Sorbische evangelische Bildungstag, der am 08. 02. in der Michaelis-Kirche in Bautzen/Budy¹in begangen wurde, diskutierte nach einem Einleitungsreferat von Pfarrer Jan Malink kritisch über das neue Schulbuch "Terminologija za pøedmjet nabo¾ina" ("Terminologie für das Fach Religion"), da in ihm der Wortschatz der evangelischen Sorben nicht genügend berücksichtigt wird.
Der Sorbische Superintendent Siegfried Albert berichtete über seine Tätigkeit in den Kirchgemeinden der schlesischen Oberlausitz (u. a. in Hoyerswerda/Wojerecy, Spohla/Spale und Sprey/Sprjowje).
Über die Bildung einer sorbische Wählergemeinschaft zu den Wahlen in der Stadt Bautzen/Budy¹in diskutierten die Mitglieder des Regionalvorstandes der Domowina am 09. 02. Als Alternative wurde in Betracht gezogen, dass sorbische Bürger auf Parteilisten kandidieren sollten.
Der Stadtrat von Wittichenau/Kulow beschloss am 10. 02. die Schließung der Schule im Stadtgebiet Kotten/Koæina bis zum Jahre 2001. Dr. H. Zelder meinte in der Diskussion, dass der Stadtrat für die Beibehaltung der Schule eintritt, doch dies widerspricht den sächsischen Gesetzen, die kaum Ausnahmen ermöglichen. In dem vorwiegend sorbischen Dorf war man für den Sorbisch-Unterricht eingetreten, doch die Zahl der Schulanfänger war stark gesunken.
Einen Vertrag über die wissenschaftliche Zusammenarbeit in den nächsten fünf Jahren unterzeichneten am 11. 02. in Warschau das Sorbische Institut/Serbski institut und das Institut für Slawistik der Warschauer Universität. Prof. Dietrich Scholze, Direktor des Bautzener Instituts, hielt aus diesem Anlass eine Vorlesung über "Das Sorbische Institut: Vergangenheit und Gegenwart", das in der Universitätszeitschrift "Studia z Filologii Polskiej i S³owiañskiej" veröffentlicht wurde.
Auf Einladung des Sorbischen Künstlerbundes/Zwjazk serbskich wumì³cow sprachen am 15. 02. in Bautzen/Budy¹in die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Prof. Gert Weisskirchen, Leiter des Arbeitskreises für Kultur und Medien der SPD-Fraktion, und Barbara Wittig zum Thema "Kultur- und Minderheitenfragen".
Die SPD-Politiker waren an diesem Tag auch zu einem Gespräch beim Vorsitzenden der Domowina, Jakub Brankaèk, eingeladen.
Klaus Haupt, Bundestagsabgeordneter (F.D.P.) aus Hoyerswerda/Wojerecy äußerte sich am 17. 02. in Gesprächen mit dem Chefredakteur der "Serbske Nowiny" Benedikt Dyrlich und der Geschäftsführerin des Domowina-Verlages Ludmila Budarjowa zur Notwendigkeit, eine verfassungsrechtliche Garantie der Förderung sorbischer Angelegenheiten zu schaffen, die unabhängig von aktueller Lage und von der Konstellation politischer Kräfte sein sollte.
Einen Gesprächskreis "Sorben" rief die SPD-Bundestagsabgeordnete Barbara Wittig am 19. 02. in Panschwitz-Kuckau/Panèicy-Kukow ins Leben. Im Mittelpunkt der sorbisch-deutschen Gesprächsrunde stand die Akzeptanz der sorbischen Sprache. Als Ergebnis dieser Aussprache sollten Forderungen an die Politiker formuliert werden.
In der Gemeinde Bloischdorf/Blo¹ecy nahe Spremberg/Gródk entsteht ein Freilichtmuseum, in dem Traditionen und Lebensweise der sorbischen Bevölkerung nacherlebbar gestaltet werden sollen. Am 21. 02. berichtete Boris Aehnelt anlässlich der Sitzung des Arbeitskreises "Sorbisch-Wendische Heimatstuben" über den aktuellen Stand. Initiiert wurde das museale Kleinod bereits 1992 vom brandenburgischen Kultusministerium. Anliegen ist es, die durch die bergbaubedingten Umsiedlungen erlittenen Verluste in der sorbischen Kultur und Lebensweise auszugleichen.
Die Gemeindevertretung von Schleife/Slepo sprach sich am 22. 02. einstimmig dafür aus, dass der Sorbische Schulverein /Serbske ¹ulske towarstwo die Kindertagesstätte "Milenka" in Rohne/Rowno in freier Trägerschaft übernimmt.
In einem Pressegespräch (am 23.4.) sagte der Vorsitzende des Bundes sorbischer Gesangsvereine, Jan Knebel, zum Verhältnis Lied- und Sprachpflege:
"Das Wirken der Chöre dient auch der Förderung der Sprache. In den Gesangskörpern der Oberlausitz ist dies kein Problem. Bei den Chören der Mittel- und Niederlausitz achten wir sehr auf den Anteil der Liedliteratur in sorbischer Sprache .... Die Sänger dieser Chöre studieren zielgerichtet sorbische Lieder und sorbischsprachige Texte ein. Dies ist für sie zugleich eine gute sprachliche Weiterbildung."
Serbske Nowiny vom 24. 02. 1999
Der Regionalvorstand des Domowina-Regionalvereines/ ¾upa "Micha³ Hórnik" (Kreis Kamenz/Kamjenc) sprach sich am 24. 02. für die Bildung und Unterstützung sorbischer Wählervereinigungen zu den Kommunalwahlen aus.
Der Regionalverein der Domowina/ ¾upa "Micha³ Hórnik" (Kreis Kamenz/Kamjenc) und der Sorbische Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow veranstalteten gemeinsam ab den 25. 02. in den Dörfern Dichterlesungen mit Schriftstellern, die im Kreis geboren wurden. Die erste Lesung fand mit Jìwa-Marja Èornakec an der Mittelschule in Ralbitz/Ralbicy statt.
Prof. Dr. Dietrich Scholze, Direktor des Sorbischen Institut/Serbski institut hielt am 25. 02. vor dem Heimatkundlichen Kreis in Eutin/Schleswig-Holstein einen Vortrag über die Vergangenheit und Gegenwart der Sorben.
Dem Kuratorium des Nordfriisk Instituts in Bredstedt, dem auch Prof. Dietrich Scholze aus Bautzen/Budy¹in angehört, tagte am 26. 02. Dieses Gremium berät die nordfriesische Forschungsstätte zu inhaltlichen Fragen. Die Teilnahme des Bautzener Direktors an den Beratungen fördert den Austausch von Erfahrungen zwischen dem nordfriesischen und dem sorbischen Institut.
Nach der literarischen Vorlage "Salowèenjo" ("Die Saalauer") von Jurij Brìzan verfasste Ralph Oehme eine Komödie, die am 28. 02. im Deutsch-Sorbischen Volkstheater/Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o unter dem Titel "Lanowolijowy komplot" ("Das Leinölkomplott") uraufgeführt wurde.
Sorbische Frühjahrs- und Osterbräuche sind das Thema einer Sonderausstellung des Sorbischen Museums /Serbski muzej in Bautzen/Budy¹in, die am 28. 02. eröffnet wurde.
Ein Bürgerhaus in Bröthen-Michalken/Brìtnja-Micha³ki konnte zur Eröffnung am 28. 02. an die 250 interessierte Besucher registrieren. In der Heimatstube befinden sich an die 600 Exponate der materiellen und geistigen Kultur, der Lebens- und Arbeitsweise der sorbischen Dorfbewohner. Der Vorsitzende des Dorfklubs, Max Donath, der sich seit Jahrzehnten um die Aufarbeitung der Geschichte des Dorfes bemüht, konnte an einem Webstuhl, der 150 Jahre alt ist, die Arbeitsweise des Gerätes vorführen. Die Stadt Hoyerswerda/Wojerecy, zu der das Dorf eingemeindet wurde, unterstützte die Vorhaben mit einer Million Mark.
Ende Februar weilte der Schriftsteller Jurij Koch auf Einladung der Gesellschaft "Schule und Literatur" in Hessen. Vor 500 Schülern las der Gast aus seinen Jugendbüchern und neuen Manuskripten.
Für 14 Teilnehmer am Sorbisch-Kurs der Volkshochschule Kamenz/Kamjenc begann Ende Februar in Ralbitz/Ralbicy ein neuer Lehrgang, der vorwiegend von Eltern aus sorbisch-deutschen Familien besucht wird.
"Pøítomnost a budoucnost na trase Varnsdorf - Budy¹in" (Gegenwart und Zukunft auf der Trasse Varnsdorf - Bautzen) lautet die Überschrift des Artikels in der Jubiläumsschrift der tschechischen Stadt Varnsdorf, die im Februar erschien. Der Dichter Milan Hrabal erinnert an die Kontakte zwischen der Lausitz und der Stadt: Hier fand im Herbst 1945 der sorbische Komponist Bjarnat Krawc seine neue Heimat, nachdem er im Frühjahr in Dresden sein Hab und Gut verloren hatte, hier wurde er zum Ehrenbürger ernannt und hier ist auch seine Grabstätte. Der Autor verweist auch auf die Bedeutung des ersten sorbischen Gymnasiums von 1945-1949 in Varnsdorf, auf dem mehr als 200 sorbische Schüler ausgebildet wurden. Im dritten Teil hebt er den kulturellen Austausch zwischen sorbischen und tschechischen Kunstschaffenden der Gegenwart hervor.
März [oben]
Eine neue Gruppe im Rahmen des Witaj-Projektes wurde am 01. 03. in Anwesenheit des Bürgermeisters Peter Beer, der Vorsitzenden des Sorbischen Schulvereins Ludmila Budarjowa und des ¾upan/ Domowina-Regionalvorsitzenden Mìræin ©koda gegründet. In der Kindertagesstätte Muschelwitz/My¹ecy (Gemeinde Göda/Hod¼ij) lernen nunmehr neun Kinder - darunter zwei aus einem deutschen Elternhaus - spielend die sorbische und deutsche Sprache.
In Lohsa/£az gedachte der Förderverein Zejler-Smoler-Haus am 01.03. des 195. Geburtstages des Dichters Handrij Zejler. "Wir wollen mit unserer Arbeit und mit dem Haus bewirken, dass die Einwohner von Lohsa wieder von `unserem Zejler` sprechen", sagte der Vorsitzende des Vereins, Walter Thomas. Der Förderverein wurde 1994 vom Komponisten Jan Pawo³ Nagel (1934-1998) und weiteren 16 Lohsaern gegründet.
Das Institut für slawische Philologie der Universität Warschau veranstaltete vom 01. bis 24. März ein Lektorat der obersorbischen Sprache, an dem 18 polnische Studenten teilnahmen. Den Sprachkurs leitete der Mitarbeiter des Sorbischen Instituts/Serbski institut Timo Me¹kank und die Vorlesungen hielten die Warschauer Sprach- und Literaturwissenschaftler Prof. Dr. E. Siatkowska, Dr. E. Wroc³awska und Dr. M. Zió³kowska-Sobecka.
Annähernd 1500 nehmen in 24 Schuleinrichtungen (Grund- und Mittelschule sowie Sorbisches Gymnasium Cottbus/Choæebuz) des Landes Brandenburg am Sorbisch-Unterricht teil. Für sie ist in Bezug auf die sorbischen Spezifika - Lehrpläne für den Unterricht, Weiterbildung der Lehrer und Lehrmaterial - die Bildungsstätte (genannt auch ABC) zuständig. Aufgebaut hat diese Einrichtung Pìt¹ Jana¹, der am 01. 03. aus Altersgründen die Arbeitsstelle Dr. Fryco Libo übergab.
Da der Leiter des Sorbischen Museums/Serbski muzej in Cottbus/Choæebuz, Werner Mì¹kank, von seinem Amt enthoben wurde, diskutierten Interessenten auf einer Veranstaltung des Domowina-Regionalverbandes Niederlausitz (¾upa Dolna £u¾yca) am 03. 03. über die weitere Absicherung des sorbischen Inhalts des Museums. Dem Geschäftsführer des Regionalverbandes, Harald Koñcak, wurde zugestimmt, dass der Museumsleitung ein wissenschaftlicher Beirat zur Seite stehen muss.
Die Domowina-Ortsgruppe in Radibor/Radwor bekräftigte auf ihrer Hauptversammlung am 03. 03. ihren Willen, für die bevorstehenden Kommunalwahlen wiederum eine sorbische Wählervereinigung zu gründen, um erneut drei sorbische Vertreter in den Gemeindevertretung schicken zu können. Jan Pawlik als Vorsitzender der Ortsgruppe betonte, dass für ihn auch in Zukunft der Erhalt des Sorbischen in Radibor/Radwor Priorität besitzt.
Vor Mitgliedern des Bundes sorbischer Handwerker und Unternehmer/Zwjazk serbskich rjemjeslnikow a pøedewzaæelow sprach am 03. 03. Evá Bøezíková, Direktorin der Wirtschaftskammer in Liberec (ÈR) über den derzeitigen Stand und über neue Möglichkeiten einer kooperativen Zusammenarbeit über Ländergrenzen. Diesem soll auch eine Exkursion sorbischer Unternehmer nach Nordböhmen dienen, die von Monika Cy¾owa, der Vereinsvorsitzenden, geleitet wird.
"Es geht nicht an, ein Gesetz jedem Sorben das Recht gibt, sich auch in Ämtern in seiner Muttersprache zu äußern, wir in den Behörden aber kaum sorbisch sprechende Mitarbeiter finden," sagte der Domowina-Geschäftsführer Bjarnat Cy¾ in einem Pressegespräch (04. 03.)
Das "Serbski rekwiem" ("Sorbisches Requiem") des Begründers der sorbischen Kunstmusik K. A. Kocor erklang am 05. 03. auch in der Bautzener Maria-Martha Kirche. Einstudiert hatte das Werk Ronald Monem mit dem Sorbischen Nationalensemble /Serbski ludowy ansambl. Zuvor wurde dieses Spätwerk (1894 komponiert) in mehreren Kirchen der Ober- und Niederlausitz aufgeführt.
"Die Uraufführung dieses Werkes von Kocor ... verdanken wir dem Musikliebhaber Dr. Alojs Hantu¹, der es mit seinem Bautzener sorbischen Kirchenchor und weiteren Interpreten im Jahre 1988 und dann wieder nach der politischen Wende ... vorstellte. Und jetzt war es endlich dazu gekommen, dass sich professionelle Musiker des Notenmaterials der sorbischen `Missa pro defundi´- der Missa für Verstorbene annahmen."
Chrysta Me¹kankowa in Serbske Nowiny vom 11. 03. 1999
Das zum Jahresende 1998 erschienene Buch "Stawizny serbskeho pismowstwa 1918 - 1945" ("Geschichte des sorbischen Schrifttums 1918 - 1945") von Prof. Dr. D. Scholze wurde in der Wochenendbeilage der sorbischen Zeitung "Serbske Nowiny" (vom 05. 03.) von der Literaturwissenschaftlerin Prof. Dr. Lucija Hajnec umfangreich rezensiert. Sie charakterisiert die Ausgabe als ein begehrtes und nützliches Buch.
Mit diesem Band wird die Darstellung der sorbischen Literaturgeschichte komplettiert. 1954 und 1960 erschienen die beiden ersten Bände für die Zeitspanne von den Anfängen bis 1917 und im Jahre 1994 ein Sammelband mit Beiträgen zur Literaturentwicklung von 1945 bis 1990.
Teilnehmer der 8. Mitgliederversammlung des Sorbischen Schulvereins/Serbske ¹ulske towarstwo, die am 06. 03. tagte, wandten sich mit einem Brief an den sächsischen Staatsminister Hans Joachim Meyer mit der Forderung, das Sorabistische Institut der Universität Leipzig mit sorbischen Hochschullehrern und wissenschaftlichen Mitarbeitern zu besetzen, die eine qualitativ hohe Bildung der Studenten garantieren. An diesem Institut werden auch zukünftige Lehrer für Sorbisch ausgebildet.
Einstimmig wurde Ludmila Budarjowa erneut zur Vorsitzenden gewählt.
Zum 8. Mal fand im Serbski dom in Bautzen/Budy¹in der Sorbische Ostermarkt statt, für den der Förderkreis für sorbische Volkskultur/Spìchowanski kruh za serbsku ludowu kulturu verantwortlich zeichnet.
Für fast 4.000 Gäste verzierten an den beiden Tagen (06. und 07. 03.) 43 Volkskünstler Ostereier und demonstrierten für sie alle vier Techniken des Ostereierschmückens.
Eine große Sonderausstellung über sorbische Hochzeitsbräuche im Raum Hoyerswerda/ Wojerecy wurde am 07. 03. im Bautzener Sorbischen Museum/Serbski muzej eröffnet. Der letzte evangelische Hochzeitsbitter, Helmut Kurjo aus Bluno/Blunjo, erzählte, dass er seit 1969 bis in die Gegenwart auf mehr als 120 Hochzeiten gewirkt hat.
In Radusch/Radu¹ bei Lübbenau/Lubnjow soll mit dem Wiederaufbau einer Slawenburg begonnen werden, teilt die "Lausitzer Rundschau" am 10. 03. mit. Die Wallanlage wurde vor etwa tausend Jahren vom slawischen Stamm der Lusizi, den Vorfahren der Sorben, errichtet. Die Bauzeit wird auf zweieinhalb Jahre geschätzt, die Baukosten belaufen sich auf knapp zehn Millionen Mark.
Die Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud wird 1999 erneut 16 Millionen Mark von der Bundesregierung bekommen. Dies erklärten Experten der Bundestagsfraktionen nach einer Sitzung zur Haushaltsberatung am 12. 03. Die alte CDU-Regierung wollte den Betrag jährlich um eine Million Mark kürzen.
Ein Kolloquium zum Thema "Sorbische Minderheitenprobleme und die Literatur von Jurij Brìzan" veranstaltete die germanistische Fakultät der Universität Straßburg am 13. 03., an dem auch Jurij Brìzan teilnahm, zum Thema referierte und aus seinen Werken las.
Die Veranstaltungsreihe "Bjesadne ko³o" ("Gesprächskreis") wird organisiert vom Sorbischen Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow und der ¾upa/Regionalverein der Domowina "Micha³ Hórnik". Der ¾upan Benedikt Cy¾ begrüßte z. B. in Crostwitz/Chrósæicy am 18. 03. den Schriftsteller Jurij Koch aus Cottbus/Choæebuz, der aus seinen neuesten Buch "Fija³kowy èas" ("Veilchenzeit") las. Umrahmt werden die Gesprächrunden mit musikalischen Darbietungen junger Künstler aus der Region.
Die Teilnehmer der Hauptversammlung des Bautzener Domowina-Regionalvereines "Jan Arno¹t Smoler" (13. 03.) verabschiedeten einstimmig eine "Nationale Bitte ... an die 6. Hauptversammlung der Domowina", in der u.a. ein gemeinsames Eintreten zur Erhaltung und Stärkung der Ortsgruppen gefordert wird.
Mìræin ©koda wurde wieder als ¾upan-Regionalvorsitzender gewählt.
Die Darstellung ehemaliger sorbischer Bräuche und Sitten erlebt verschiedenartige Formen. In Schleife/Slepo wurde am 13. 03. von Ortsvereinen die Hochzeitszeremonie nach Niederschriften aus den Jahren um 1900 nachgestellt, die mehr als 150 Interessenten anlockte. Die letzte Hochzeit nach alten Brauch wurde 1949 in dieser Gegend gefeiert.
In Hoyerswerda/Wojerecy war ebenfalls am 13. 03. ein besonderer Anziehungspunkt des Ostermarktes die Darstellung einer Tauffeier der evangelischen Sorben, wobei auch die einzelnen Trachten der Umgebung um Bergen/Hory bestaunt werden konnten.
Das Deutsch-Französische Zentrum in der französischen Stadt Dieppe hatte die sorbische Folkloregruppe "£oka¶ina" zum Konzert eingeladen, das am 14. 03. stattfand. Am Vorabend hatte die niedersorbische Volkskunstgruppe in Paris Zuschauer begeistert. Die Einladung hatte Prof. Jean Kudela, Mitglied der Deutsch-Französischen Gesellschaft und ein großer Freund der Sorben angeregt.
Probleme des Sorbischen an den Schulen der Stadt und des Kreises Bautzen/Budy¹in behandelte eine Diskussion unter dem Thema "Sorbisch B - pro und kontra" am 17. 03.
Sorbisch B bedeutet, dass Schülern das Fach Sorbisch an jenen Schulen angeboten wird, an denen die Unterrichtssprache Deutsch ist. Direktoren des Gymnasiums (Rejza ©ìnowa), der Sorbischen Mittelschule (Jurij Mahr) und der Sorbischen Grundschule (Christa Pawlowa) beleuchteten die Problematik an Hand der Erfahrungen und Dr. Ludwig Ela analysierte die Ergebnisse einer Befragung unter den Eltern in einigen Schulen des Kreises Bautzen/Budy¹in.
Clemens Hrjehor, Pfarrer der katholischen Kirchgemeinde Crostwitz/Chrósæicy, wurde auf der konstituierenden Sitzung des Rates der Stiftung für das sorbische Volk/Rada Za³o¾by za serbski lud (17.03.) zum neuen Vorsitzenden gewählt und der Staatssekretär im Sächsischen Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst Eckhard Noack als Stellvertreter bestätigt.
Den Dank der Domowina an Marja Micha³kowa, die vier Jahre den Rat geleitet hatte, überbrachte der Vorsitzende Jakub Brankaèk.
Einen Abend junger sorbischer Poesie gestalteten Autorinnen der in Varnsdorf (ÈR) erschienen zweisprachigen Anthologie "Na druhej stronje s³ónca - Na druhé stranì slunce" ("Auf der anderen Seite der Sonne") am 18. 03. in der Smolerschen Verlagsbuchhandlung in Bautzen/Budy¹in. Der anwesende tschechische Dichter Milan Hrabal hatte die Gedichtsammlung zusammengestellt und die Übersetzung besorgt.
Forschungen zur rechtlichen Lage der Sorben in Vergangenheit und Gegenwart waren Gegenstand eines Studienaufenthaltes des japanischen Wissenschaftlers Prof. Dr. Hitoshi Kikkawa der Universität Nagoya vom 19. bis 23. 03. in Bautzen. Der Gast will die rechtliche Lage der Sorben und der auf Hokaido lebenden Minderheit Ainu analysieren und vergleichen.
"Staatliche Förderung der Sorben in Deutschland" lautete das Thema der Tagung, die von der Sektion Geschichte der Maæica Serbska für den 20. 03. organisiert wurde. In mehreren Beiträgen konnte aber auch nachgewiesen werden, dass die Förderung durch den sächsischen und preußischen Staat, durch die Landesstände und Kirchen oft mit Machtinteressen verbunden war.
Über die gegenwärtige Formen und Inhalte der Förderung der sorbischen Sprache, Kultur und Wissenschaft sprachen Hajko Kozel, der die nach der politischen Wende eingetretenen Erwartungen an eine kulturelle Autonomie nur als Fiktion bezeichnete, und der Direktor der Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud, Marko Suchy, erklärte, dass in den ersten Jahren nach 1990 im Stiftungsrat mehr über den Erhalt der alten Strukturen als über neue und bessere nachgedacht wurde.
Die Sektion Geschichte organisiert seit 1993 alljährlich thematische Symposien, an denen sowohl Wissenschaftler als auch Praktiker und Zeitzeugen auftreten.
40 Stenografen aus ganz Deutschland kamen von ihrer Tagung in Dresden am 20. 03. nach Bautzen/Budy¹in, um sich hier über die Sorben zu informieren. Hatte doch Elfriede Wedegärtner aus Dresden die Geschichte der sorbischen Stenografie erforscht und die Forschungs- und Ausbildungsstätte für Kurzschrift und Textverarbeitung in Bayreuth hat mit der Maæica Serbska die Forschungsergebnisse im Heft 10 "Die sorbische Stenografie im 19. Jahrhundert" herausgegeben und an diesem Tag der Autorin übergeben. Jakub Brankaèk, Vorsitzender der Domowina und Dr. Mìræin Völkel, Vorsitzender der Maæica Serbska, erläuterten den Gästen, unter ihnen Parlamentsstenografen des Deutschen Bundestages und der Landtage, die Geschichte und Gegenwart des sorbischen Volkes. Die Exkursion der Stenografen endete in Bautzen/Budy¹in an den Gräbern der Gründer der sorbischen Stenografie Micha³ Hórnik und Filip Rìzak.
Zum ersten Mal trat eine Theatergruppe aus der Niederlausitz in einem obersorbischen Dorf auf. Gastgeber war die Laienspielgruppe Crostwitz/Chrósæicy. Die Amateure aus Drachhausen/Hochoza führten das Stück "Jagaà Bagola" ("Der Jäger Bagola") von Jurij Koch auf. Nach der Vorstellung am 21. 03. in Crostwitz/Chrósæicy trat die Gruppe auch in Bautzen/Budy¹in am 28. 03. auf.
Der Kreistag Bautzen/Budy¹in verabschiedete am 22. 03. die Satzungen über die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur. Staatlicherseits soll die besondere Aufmerksamkeit der Pflege der Sprache und der Bewahrung kulturhistorischer Denkmale gewidmet werden.
Neue Wege in der Vermittlung sorbischer Kunst beschritt der Sorbische Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow: Am 26. 03. wurde in den Geschäftsräumen der Firma Schneider in Großdubrau/Wulka Dubrawa die Ausstellung "Bildende Kunst in der Wohnung" mit Werken sorbischer Maler und Gestalter eröffnet.
Während der Leipziger Buchmesse, auf der wiederum der sorbische Verlag aus Bautzen vertreten war, fanden mehrere Dichterlesungen statt. Jurij Brìzan las am 26. 03. aus seinem neuen Buch "Ohne Pass und Zoll", das zur Messe im Gustav Kiepenheuer Verlag erschien. Auf dem Festival "Leipzig liest" trat die Studentin der Sorabistik Lubina ©ìnec mit ihrer Lyrik auf. Der Schauspieler Mìrko Brankaèk zitierte Ausschnitte aus dem Werk des Kroaten Zoran Freriæ.
Die 6. Hauptversammlung der Domowina fand am 27. 03. in Drachhausen/Hochoza (Niederlausitz) statt. 70 Delegierte aus den Ortsgruppen und den Vereinen berieten sowohl über die Erfolge (z. B. wuchs die Zahl der Neueintritte ) als auch über Lösungswege für Probleme (z.B. neue Konzeptionen und Strukturen in der praktischen kulturpolitischen Arbeit). Einstimmig wurden beschlossen, den Präsidenten des Deutschen Bundestages, Wolfgang Thierse, aufzufordern, dass er sich für die Aufnahme eines Minderheitenartikels im Grundgesetz einsetzt. Anfang der 90er Jahre war die Aufnahme eines entsprechenden
Artikels im Bundestag gescheitert.
In einer Resolution, die mit 24 Stimmen - bei neun Gegenstimmen und 15 Stimmenthaltungen - angenommen wurde, forderten die Delegierten von der serbischen Regierung in Belgrad die Einhaltung der Menschenrechte in Kosovo und von der NATO die Einstellung der Bombenangriffe.
Zu Beginn der Tagung hatte der stellvertretene Vorsitzende Dr. Ludwig Ela in einem Vortrag die Bedeutung der Gründung des Verbandes nationaler Minderheiten in Deutschland vor 75 Jahren gewürdigt.
Das diesjährige Osterseminar der Jugend europäischer Volksgruppen (MENS) fand vom 28. März bis 01. April in Bautzen/Budy¹in statt. Der Einladung des sorbischen Jugendverbandes PAWK waren 130 Jugendliche aus 28 europäischen nationalen Minderheiten gefolgt. Zur Eröffnung waren erschienen u. a. das Mitglied des Europäischen Parlaments Stanis³aw Tilich, Vertreter des Bundesinnenministeriums Roland Dubyk und der Präsident der FUEV Matti Lukin. Auf ihrer Exkursion durch die Lausitz besichtigten die Teilnehmer auch jene Gegend, die durch die Braunkohlengewinnung vernichtet wurde und der die Vernichtung droht.
"Der Kampf der Einwohner von Horno/Rogow um den Erhalt ihres schönen Dorfes und gegen das Abbaggern hat in mir und in allen anderen Teilnehmern der Exkursion einen tiefen Eindruck hinterlassen. ...Wir Jugendlichen von nationalen Minderheiten in Europa stehen den Einwohnern zur Seite," erklärte Romke E. Egbers aus Meppel, Angehörige der westfriesischen Minderheit in den Niederlanden.
In der Märzausgabe der Kulturzeitschrift "Literatur und Kritik" (Otto Müller Verlag Salzburg) veröffentlichte die sorbische Dichterin Ró¾a Doma¹cyna einen umfangreichen informativen Beitrag über die sorbische Literatur. Weiterhin beinhaltet die Ausgabe 19 deutschsprachige lyrische und prosaische Texte sorbischer Autoren der Gegenwart. Das Vorwort schrieb Prof. Dr. W. Koschmal.
Die Bautzener Stadtbücherei veranstaltete aus diesem Anlass (29. und 30. 03.) Leseabende mit Mìrka Mìtowa, Ró¾a Doma¹cyna und Marja Krawcec.
"Kunstwerk am netzwerg" lautete der Titel der neuen Gedichtsammlung von Ró¾a Doma¹cyna, herausgegeben im Verlag Edition Tanhäuser, der ihr am 30. 03. übergeben wurde.
Über "Höflichkeitsformen in Vergangenheit und Gegenwart" sprach am 29. 03. in Bautzen/Budy¹in Prof. Dr. Tilmann Berger von der Universität Tübingen, der die sorbischen Formen mit anderen slawischen Sprachen und des Deutschen verglich.
In feierlicher Form wurde am 31. 03. das "Gesetz über die Rechte der Sorben im Freistaat Sachsen" in Bautzen/Budy¹in ratifiziert. Die Unterschrift unter das Gesetz zeichneten der Präsident des Landtages Erich Iltgen, der Ministerpräsident Kurt Biedenkopf und der Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Hans Joachim Meyer in Anwesenheit von Vertretern der sächsischen Landes- und Kommunalpolitik sowie der Domowina und weiterer sorbischer Vereine und Institutionen. Der Vorsitzende der Domowina, Jakub Brankaèk, bezeichnete das Gesetz als eine gute Voraussetzung dafür, dass "wir als kleines Volk in einer demokratischen Gesellschaft unsere Nationalität bewahren können". Er hob die präzise Festlegung des sorbischen Siedlungsgebietes im Gesetz hervor, denn damit haben die Sorben erstmals eine rechtliche Handhabe gegen Gemeinden in der Lausitz, die eine zweisprachige Ausschilderung von Ortschaften, Straßen und öffentlichen Gebäuden verweigern.
April [oben]
In der kreisfreien Stadt Hoyerswerda/Wojerecy wurde zum 01. 04. eine erste sorbische Kita eröffnet. Der Sorbische Schulverein/Serbske ¹ulske towarstwo übernahm die Trägerschaft des Kindergartens in Dörgenhausen/Nìmcy im Rahmen seines "Witaj"-Projektes.
An den Osterreiterprozessionen 1999 (04. 04.) aus neun sorbischen katholischen Kirchgemeinden nahmen 1597 Osterreiter (sorbisch: køi¾erjo) teil, 72 mehr als 1998. Sie überbringen die Botschaft der Auferstehung des Herrn von Kirchspiel zu Kirchspiel. In Storcha/Baæon begrüßte Joachim Reinelt, Bischof von Dresden-Meißen in sorbischer Sprache die Osterreiter aus Radibor/Radwor.
Den im Jahre 1993 wiederbelebten Brauch des Ostersingens der sorbisch-evangelischen Kirchgemeinden pflegen die Kantorki (Kantorinnen) in Schleife/Slepo unter der Leitung von Leñka Nowakowa. In der Osternacht sangen sie vor 30 Gehöften in Rohne/Rowno und Schleife/Slepo sorbische Kirchenlieder und überbrachten die Botschaft von der Auferstehung Jesus.
Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg hat die Klage des vom Braunkohlentagebaus bedrohten Dorfes Horno/Rogow formell anerkannt. Derzeit werde die Beschwerde wegen der Verletzung von Rechten der Sorben inhaltlich geprüft, teilte die Anwältin der Hornoer, Ursula Philipp-Gerlach in Frankfurt am Main (05. 04.) mit. Die rund 320 Einwohner des Lausitzdorfes sollen bis Ende 2002 den Kohlenbaggern weichen und im Nachbarkreis angesiedelt werden.
Der Landtag von Brandenburg hatte das entsprechende Gesetz im Juni 1997 beschlossen und das Landesverfassungsgericht erklärte im Juni 1998 das Horno-Gesetz für verfassungsmäßig. Ende Februar hatte der Braunkohlenausschuss den Umsiedlungsplan für Horno beschlossen.
Der britische Staatsbürger Michael Gromm, der seit 1993 in Horno lebt, hat in einem Gerichtsstreit gegen das Oberbergamt des Landes Brandenburg und damit gegen den Betriebsplan des Tagebaues Jänschwalde/Jan¹ojce einen ersten Erfolg errungen: Er ist seit dem 22. 04. "klageberechtigter Sorbe". Diesen Status hat ihm die 5. Kammer des Cottbuser Verwaltungsgerichtes offiziell zugestanden. M. Gromm konnte nachweisen, dass seine Vorfahren aus der Umgebung von Guben/Gubin stammen.
Die in Belgrad erscheinende Tageszeitung "Politika" veröffentlichte am 05. 05. die Übersetzung eines publizistischen Beitrages, den der sorbische Schriftsteller Jurij Koch am 07. 04. in der sorbischen Tageszeitung "Serbske Nowiny" veröffentlicht hatte. J. Koch verurteilt darin die Angriffe der NATO auf Serbien.
Auch weitere serbische Presseorgane veröffentlichten den Artikel.
Am Staatstheater Cottbus/Choæebuz gastierte am 08. 04. das Sorbische Nationalensemble aus Bautzen/Budy¹in mit der Inszenierung "Das Jahr der Könige". Bernd Köllinger (Regie und Libretto), Detlef Kobjela (Musik) und Juraj Kubanka (Choreografie) bearbeiteten einen historischen Stoff.
"Aber die Autoren des szenischen Poems kopieren nicht einfach das historische Tableau und den Zauber vom Berg Lubin...sondern kombinieren sie mit den Jahreszeiten, Freud und Leid, Liebe und Tod, Blüte und Herbst, Streit und Versöhnung - den ganzen Kosmos sorbischer Mentalität und Lebensart."
Lausitzer Rundschau am 10. 04. 1999
Teilnehmer der Jahreshauptversammlung der wissenschaftlichen und kulturellen Gesellschaft Maæica Serbska (10. 04.) verabschiedeten einen Brief an den sächsischen Staatsminister Prof. Dr. Hans Joachim Meyer, in dem sie ihn auf die personelle Unterbesetzung des Instituts für Sorabistik der Universität Leipzig aufmerksam machen.
Prof. Dr. Rafa³ Leszczyñski aus £od¼ (Republik Polen) referierte über seine Forschungen zum Verhältnis des polnischen Gelehrten Alfons Parczewski (1849-1933) zu den Sorben und Dr. Pìt¹ ©urman vom Sorbischen Institut/Serbski institut erläuterte die Gründe, die dazu führten, dass die Maæica Serbska 1949 ihre Selbständigkeit aufgeben musste.
Die Groteske "Serbski milionaà" ("Der sorbische Millionär") von Jurij Koch - bekannt als anerkannter Dramatiker bereits seit den 70er Jahren, u.a. "Landvermesser" und "Reifeprüfung" - wurde am 9. 4. vom Deutsch-Sorbischen Volkstheater Bautzen/Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o Budy¹in auf der Dorfbühne in Drachhausen in niedersorbischer Sprache uraufgeführt.
Weitere Vorstellungen fanden u. a. in Burg/Bórkowy und Cottbus/Choæebuz statt.
Das Prager Monatsblatt "Èesko-lu¾ický vìstník" empfiehlt eine alsbaldige Übersetzung des Stückes ins Tschechische und schreibt: "Es freut uns, dass dem tschechischen Theatermann Zdenìk Èernín ....vom Stadttheater Brno die Regie übertragen wurde. Er hatte bereits im Vorjahr in Bautzen erfolgreich das Stück von A. S. Ostrowski "Der Wald" auf die Bühne gebracht."
Èesko-lu¾ický vìstník, Praha, Jg. 5, Nr. 5, Mai 1999
80 Jugendliche aus sorbischen katholischen Kirchspielen beteiligten sich in Saalau/Salow an der Emaus-Wanderung am 10. 04. Der Jugendkreis aus Wittichenau/Kulow hatte mit Kaplan Beno Jakuba¹ diese kirchliche Veranstaltung organisiert.
Die Prager Zeitung "Lidové Noviny" (10. 04.) veröffentlicht einen sehr informativen Beitrag über das gegenwärtige Leben der Sorben in der katholischen Oberlausitz.
Am 12. 04. sendete der Mitteldeutsche Rundfunk, Serbski rozh³ós Bautzen/Budy¹in das erste Programm für Jugendliche in sorbischer Sprache. Es erweiterte damit seine Sendungen in sorbischer Sprache um wöchentliche eine Stunde. Täglich sendet der MDR in den Frühstunden 180 Minuten für sorbische Hörer.
"Ein derartiges Jugendprogramm sei für eine zahlenmäßig so geringe Minderheit wie die Sorben in Europa einmalig."
Sächsische Zeitung am 27./28. 03. 1999
Die Freie sorbische Wählergemeinschaft/Swobodne serbske wolerske zjednoæenstwo des Kreises Kamenz/Kamjenc hatte am 14. und 15. 04. zu einer Versammlung eingeladen, auf denen Kandidaten für den Kreistag nominiert wurden.
Auch in Radibor/Radwor konstituierte sich am 12. 04. die sorbische Wählergemeinschaft
Und in Nochten/ Wochozy wurde Hanelora Balkowa von der sorbischen Wählergemeinschaft "Unterschöps" für die Kandidatur im Kreistag des Niederschlesischen Oberlausitzkreises nominiert.
Eine internationale wissenschaftliche Konferenz über bedrohte Sprachen, die auf praktische Maßnahmen zum Erhalt und zur Wiederbelebung der Sprachen orientierte, wurde am 16. und 17. 04. vom Sorbischen Institut/Serbski institut in Bautzen durchgeführt. Für die Gastgeber sprach Dr. Ludwig Ela, der die beiden Sprachkonzeptionen der Domowina und der Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud analysierte. Wissenschaftler aus Großbritannien, Spanien, Norwegen und der Schweiz berichteten über erfolgreiche Wege bei der Revitalisierung der Sprachen kleiner Völker.
Über die 150jährige Geschichte der Zeitung in niedersorbischer Sprache sprach am 22. 04. in Bautzen/Budy¹in der Chefredakteur des heutigen Wochenblattes "Nowy Casnik", Horst Adam. Von 1848 bis 1933 erschien der "Casnik" ("Zeitung") unter verschiedenen Titeln, u. a. als "Serbski Casnik", "Bramborski Serbski Casnik" und "Bramborske Nowiny". 50 Jahre hatte der Lehrer Kito ©wjela das Wochenblatt redigiert.
Der Schulverein des Niedersorbischen Gymnasiums/Dolnoserbski gymnazij forderte auf der Hauptversammlung am 23. 04. das brandenburgischen Kultusministerium auf, die Konzeption für diese Cottbuser Schuleinrichtung alsbald zu verabschieden, um die Vorbereitungen für das neue Schuljahr nicht zu gefährden.
Zum Frühlingsfest des katholischen Vereins Bratrowstwo in Wittichenau/Kulow am 24. 04. Hatte die Theatergruppe zwei Stücke von Anton Èechow "®eñtwa" und "Mjedwjed¼" ("Heirat" und "Bär") einstudiert und erfolgreich in Sollschwitz/©ul¹ecy in der Regie des Schauspielers Jurij Kostor¾ aufgeführt.
Eine der 669 Wahlfrauen und - männer , die am 23. 04. im Reichstag in Berlin den neuen Bundespräsidenten wählten, war auch Marja Micha³kowa, Geschäftsführerin des Fortbildungswerkes in Bischofswerda. "Ich bin stolz, dass ich das, obwohl es so viele andere Bewerber gab, nach 1994 schon zum zweiten Mal erleben darf," sagte sie gegenüber der "Sächsischen Zeitung".
Auf Einladung des Sorbischen Superintendenten Siegfried Albert versammelten sich am 24. 04. evangelische Sorben der Kirchgemeinden aus Malschwitz/Male¹ecy und Guttau/Huæina im Schulmuseum "Korla Awgust Kocor" in Wartha/Stró¾a. Dr. Jürgen Wengler führte die Besucher durch die Ausstellungsräume.
Das Wohnhaus des Volksschriftstellers Hanzo Nepila (1766-1856) in Rohne/Rowno bei Weißwasser/Bì³a Woda sollte erhalten bleiben, da es auch das letzte original sorbisches Umgebindehaus im Dorf ist. Die Gründung eines Fördervereins am 26. 04. konnte nicht realisiert werden, da das Interesse der Dorfbewohner zu gering war. Zudem gehört das Haus einer Erbengemeinschaft, mit der schwierige Verhandlungen bevorstehen.
Hanzo Nepila hinterließ mehrer Handschriften, in denen er seine Kindheit und das Dorfleben beschrieb. Sie sind zugleich Zeugnis eines Mannes aus dem Volk, der den Dialekt dieser Gegend zu einer Schriftsprache entwickeln wollte.
In einem Pressegespräch mit den "Serbske Nowiny" am 26. 04. äußerte sich der sächsische Staatsminister für Finanzen Prof. Georg Milbradt zu Fragen der Förderung der sorbischen Kultur und Sprache. U. a. sagte er (in der Rückübersetzung):
"Daher setze ich mich für solch eine Politik ein, durch die die lebendige Sprache und Kultur der Sorben gefördert werden. Das bedeutet aber auch, dass wir mehr Eltern in der Lausitz für eine Bildung in zwei Sprachen gewinnen. In den Familien, unter den Kindern und der Jugend muss die Sprache lebendig bleiben, ansonsten wird die Hilfe der Politik nichts einbringen."
Jakub Brankaèk als Vorsitzender der Domowina und Bjarnat Cy¾ als Geschäftsführer betonten in einem Gespräch mit Barbara Ludwig (SPD-Fraktion im Landtag Sachsens) am 27. 04., dass der Jugend mehr perspektivische Chancen in der Lausitz gewährleistet werden sollten. Weiter forderten sie, dass für die Verwirklichung des Sorben-Gesetzes die Qualifizierung der Mitarbeiter im öffentlichen Dienst unumgänglich ist.
Vertreter des Sorbischen evangelischen Vereins /Serbske ewangelske towarstwo - Superintendent Siegfried Albert, Pfarrer Jan Malink und Lubina Tarankec - sprachen am 27. 04. mit dem Vorsitzenden der Domowina, Jakub Brankaèk, dem Geschäftsführer Bjarnat Cy¾ und dem Vorsitzenden der Stiftung für das sorbische Volk /Za³o¾ba za serbski lud Clemens Hrjehor über eine bessere Respektierung der Belange evangelischer Sorben in der sorbischen Bewegung, um weitere Missverständnisse zu verhindern.
Dem sorbischen Literatur- und Sprachwissenschaftler Rudolf Jenè (1903-1979) war eine Veranstaltung der Sektion Literatur und Kunst der Maæica Serbska am 28. 04. gewidmet. Der Direktor des Sorbischen Instituts/Serbski institut, Prof. Dr. Dietrich Scholze, würdigte die Verdienste von R. Jenè und konnte interessantes Archivmaterial über das Wirken von R. Jenè als Lehrer und Kantor in Großpostwitz/Budestecy vorlegen.
Vor der Frauen-Union in Bautzen/Budy¹in sprach am 29. 04. die Doktorantin am Sorbischen Instituts/Serbski institut Anja Pohonèowa über die Zukunftschancen der sorbischen Sprache. Als einen wichtigen Faktor für das Erlernen des Sorbischen bezeichnete die junge Forscherin den Arbeitsmarkt in der Lausitz.
Mai [oben]
Den 50. Jahrestag der Gründung der I. Sorbischen Kulturbrigade/ I. serbska kulturna brigada feierten die heutigen und ehemaligen Sänger, Tänzer und Musiker am 01. 05. in Bautzen/Budy¹in. Mitglieder des Ensembles waren Schüler und Lehrer der Sorbischen Erweiterten Oberschule/des Sorbischen Gymnasiums. Mehr als 500 ehemalige Mitglieder der Brigade waren der Einladung gefolgt. Besonders gedankt wurde dem Mitbegründer und ersten künstlerischen Leiter Handrij Cy¾ sowie Achim Brankaèk, der den Chor fast 40 Jahre leitete. Zum Jubiläum dirigierte Friedemann Böhme, der die Kulturbrigade vor wenigen Jahre übernommen hatte.
900 Besucher waren gekommen zum Benefizkonzert des Cyrill und Methodius Vereins/Towarstwo Cyrila a Metoda nach Laske/£azk am 02. 05. Sorbische Chöre und der Kinderchor "Severáèek" aus Liberec/Tschechische Republik gestalteten ein würdiges Programm. Gespendet wurde für die Bevölkerung in Bosnien und Kroatien.
Junge sorbische Dichter und Musiker präsentierten am 03. 05. an der Universität "J. E. Purkinì" in Ústí nad Labem (ÈR) ihre eigenen Werke und Beispiele aus der sorbischen Volksmusik und -dichtung.
Die Wanderausstellung "Sorben in Deutschland" wurde zuerst in Stralsund und dann ab dem 04. 05. in Greifswald von der Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud gezeigt.
In Bautzen/Budy¹in erschien Anfang Mai die Biographie des Komponisten und Volkskundlers Bjarnat Krawc-Schneider (1861-1948), die Achim Brankaèk verfasst hatte. Der Autor wertete die fragmentarische Autobiographie aus und stützte sich auf einen reichen Korrespondenznachlass.
Auf eine Wallfahrt besonderer Art begab sich am 04. 05. von der Rosenthaler Wallfahrtskirche Gerat Róbl aus Schmerlitz/Smjerd¼aca: Zu Fuß und allein wollte er die heilige Stadt Rom erreichen, die ca. 1000 km von seinem Heimatort entfernt ist.
Am 16. 06. hatte Gerat Róbl Rom erreicht.
"Ich wallfahre zum Grab des heiligen Petrus, um zu danken für meine Genesung und um für Frieden auf der Welt zu beten," meinte G. Róbl.
Der Frauenchor der St. Peter-und-Paul-Kathedrale aus Gomel (Weißrussland) gastierte am 04. und 05. 05. in Ralbitz/Ralbicy und Ostro/Wotrow. Eingeladen hatte die jungen Künstlerinnen der Cyrill und Methodius Verein/Towarstwo Cyrila a Metoda.
Der Bundestag beschloss am 05. 05. den Kulturetat für das Jahr 1999. Der Bund wird an die Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud definitiv 16 Millionen DM überweisen, so dass mit den Anteilen von Sachsen und Brandenburg 32 Millionen DM zur Verfügung stehen.
Der Maler Jan Buk nahm am 05. 05. an der Eröffnung seiner Ausstellung in der Galerie Kühl in Hannover teil. 32 Ölgemälde und Aquarelle zeugen vom Schaffen des 77jährigen sorbischen Künstlers.
Die Mitglieder des Fördervereins Zejler-Smoler-Haus in Lohsa/£az hatten zu Ehren des verstorbenen sorbischen Komponisten Jan Pawo³ Nagel (1934-1997) am 05. 05. ein literarisch-musikalisches Programm einstudiert. Für eine große Anzahl seiner Freunde erklangen Kompositionen von J. P. Nagel. Die Witwe Elke Nagel las Auszüge aus der Autobiographie "Kindheit in Litschen".
Auf der Hauptversammlung des Sorbischen Künstlerbundes/Zwjazk serbskich wumì³cow am 07. 05. konnte der Vorsitzende Benedikt Dyrlich darauf verweisen, dass der Bund im vergangenem Jahr insgesamt 40 Projekte in verschiedenen Kunstgenres realisierte, durch die die sorbische Kunst den Menschen in und außerhalb der Lausitz näher gebracht wurde.
Der Verein zur Förderung der Sorbischen Kulturinformation/Serbska kulturna informacija in Berlin wählte am 08. 05. einen neuen Vorstand. Beata M³ynkowa übernahm den Vorsitz, sie wird von Karl Fischer vertreten.
Der Rundfunksender "Multikulti", der sich besonders den Kulturen der nichtdeutschen Minderheiten zuwendet, eröffnete am 08. 05. eine neue Sendereihe unter dem Thema "Europa, deine Minderheiten!". Jurij £u¹æanski, Referent für Öffentlichkeitsarbeit der Domowina, sprach über das heutige Leben der Sorben.
Moderne sorbische Poesie wurde in Wroc³aw (Republik Polen) im "Salon der drei Musen"
in einer Ausstellung, die am 08. 05. eröffnet wurde, vorgestellt. Die zehn Tafeln hat die Vorsitzende des Polnisch-Sorbischen Vereins, Ludmi³a Gajczewska, sachkundig gestaltet.
Im Rahmen des 34. Hoyerswerdaer Musikfrühlings erklangen am 09. 05. auch Kompositionen von Detlef Kobjela ("Illustrationen für Cello-Solo", Klavierzyklus "12 Monate" und von Ulrich Pogoda drei Lieder auf Texte der sorbischen Dichterin Mina Witkojc.
Der sorbische Gymnasialverein Societas Slavica Budissinensis begann am 12. 05. mit seinen Forschungen zum Leben und Wirken des Literaturhistorikers Ota Wiæaz (1874-1952), der 1951 zum Ehrendoktor der Leipziger Universität ernannt wurde. Im Geburtsort Quatitz/Chwaæicy suchten sie nach einer Gedenktafel für O. Wiæaz, die einst an der Schulmauer angebracht war. Fortgesetzt wurde dieses Projekt in Stollberg am 18. 06.
Am 44. Kongress der Föderalistischen Union nationaler Volksgruppen (FUEV), die vor 50 Jahren in Frankreich gegründet wurde, nahmen von der Domowina teil der Vorsitzende Jakub Brankaèk sowie weitere Mitglieder des Bundesvorstandes. Das internationale Gremium tagte vom 13.-16. Mai in der dänischen Stadt Hadersleven.
Marka ©ramina, Schauspielerin am Deutsch-Sorbischen Volkstheater/Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o Bautzen/Budy¹in, wurde am 13. 05. feierlich aus dem Schauspielensemble verabschiedet. Die beliebte Darstellerin hatte 46 Jahre an diesem Haus gewirkt.
Der Bautzener sorbische Verlag nahm an der Buchmesse in Warschau, die am 13. 05. eröffnet wurde, teil. Das besondere Interesse der Besucher galt den wissenschaftlichen Veröffentlichungen zur sorbischen Literatur- und Kulturgeschichte. Die leitende Verlagslektorin Marka Maæijowa führte auch Gespräche mit Mitarbeitern polnischer wissenschaftlicher Bibliotheken.
In Kooperation mit dem Institut für Landeskunde Leipzig fand im Sorbischen Institut/Serbski institut in Bautzen/Budy¹in eine Konferenz zu aktuellen Problemen nationaler Minderheiten in Europa am 14. 05. statt. Über die Sprach- und Kulturentwicklung der Sorben sowie der Dänen und Nordfriesen in Deutschland, der Deutschen in Belgien, der Retoromanen in der Schweiz und der Rusinen in Osteuropa referierten 30 Wissenschaftler und Praktiker.
Die Schmerlitzer Tanzgruppe/Smjerd¼eèanska rejwarska skupina beging den 35. Jahrestag ihrer Gründung am 15. 05. mit vielen sorbischen Laienkünstlern. Die Gruppe pflegt sowohl den traditionellen Tanz als auch moderne Ausdruckstänze und bereiste mit ihren Darbietungen viele Ländern Europas und war auch Gast der Nachkommen sorbischen Auswanderer in Texas.
Die 3. Gesprächsrunde "Sorben" der SPD-Bundetagsabgeordneten Barbara Wittig (17. 05.) war der praktischen Tätigkeit der sorbischen Vereine gewidmet, deren Vertreter sich zu Fragen der Arbeit an der Basis äußerten.
Gunda Röstel, Sprecherin des Bundes 90/Die Grünen, informierte sich am 18. 05. im Domowina-Verlag/Ludowe nak³adnistwo Domowina über aktuelle Probleme der Sorben. Ludmila Budarjowa und Benedikt Dyrlich vertraten gegenüber der Bundestagsabgeordneten die Meinung, dass der Schutz und die Förderung des sorbischen Volkes in das Grundgesetz aufgenommen werden müssen. Diese Forderung unterstützten auch der Vorsitzende der Domowina, Jakub Brankaèk und weitere sorbische Persönlichkeiten im Gespräch, das sie mit G. Röstel führten.
Eine Ausstellung mit Werken von Maja Nagelowa wurde am 19. 05. in der Sorbischen Kulturinformation/Serbska kulturna informacija in Bautzen/Budy¹in eröffnet.
Am Grabe von Korla Awgust Kocor (1822-1904) in Kittlitz/Ketlicy, dem Begründer der sorbischen Kunstmusik, versammelten sich an seinem 95. Todestag (19. 05.) Vertreter des Musiklebens der Lausitz. Jan Knebel, Vorsitzender des Bundes sorbischer Gesangsvereine/Zwjazk serbskich spìwarskich towarstwow, würdigte am Grabe die Verdienste des Komponisten, dessen Oratorien und Lieder bis in die Gegenwart im Volk lebendig sind.
Die Restaurierung der Grabtafel hatten die sorbische Vereine Maæica Serbska, Sorbischer Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow, Bund sorbischer Gesangsvereine/Zwjazk serbskich spìwarskich towarstwow und das Sorbische Nationalensemble/Serbski ludowy ansambl finanziert.
Am Abend wurde in der Kirche zu Radibor/Radwor das "Serbski rekwiem"("Sorbisches Requiem") vom Chor und Orchester des Nationalensembles aufgeführt.
Der beliebte sorbische Kinderbuchautor und Erzähler Jan Wornar aus Neudörfel/Nowa Wjeska verstarb am 20. 05. im Alter von 64 Jahren. Seine Bücher erschienen nicht nur in sorbischer Sprache, sondern wurden u. a. auch ins Deutsche, Tschechische, Ukrainische, Litauische, Polnische übersetzt.
12 Studenten der Prager Karls-Universität nahmen am dortigen sorabistischen Seminar teil, teilten die "Serbske Nowiny" am 20. 05 mit. Aspirantinnen der Universität (Silvie Dziamová, Kateøina Macháèková und Lucie Koubová-Friedlaendrová) leiteten das Lektorat.
Auf der Buchmesse "Svìt knihy 99" ("Welt des Buches") in Prag war auch der sorbische Verlag aus Bautzen/Budy¹in vertreten (20.-23.05.). Ausgestellt wurden auch Bücher, die vor 40 Jahren den Grundstein für eine erfolgreiche Zusammenarbeit des Bautzener Verlages mit tschechischen und slowakischen Einrichtungen legten.
In Werben/Wjerbno wurde am 21. 05. ein neuer Verein mit dem Namen "Ponaschemu" gegründet. Juro Frahno wählte man zum Vorsitzenden. Dieser unabhängige Verein will - so in der Satzung - "wendisch- und deutschsprachige Wenden sowie nichtwendische Freunde und Förderer des Wendischen in der Niederlausitz" vereinen.
Der Fernsehsender ORB sendete am 23. 05. unter dem Titel "Wendisches Abendlicht" einen Film, in dem der Pfarrer i. R. Herbert Nowak vorgestellt wurde. Pìt¹ Jana¹ zeichnete als Autor, die Regie führte Pìt¹ Rocha.
Alljährlich findet in Rosenthal/Ró¾ant am Pfingstmontag (24. 05.) eine zentrale Wallfahrt der katholischen Sorben unter freien Himmel statt. In den 10 Prozessionen werden Marien-statuen mitgeführt.
Ihre Forschungsergebnisse stellten Mitarbeiter des Sorbischen Instituts/Serbski institut am Institutstag (25. 05.) der Öffentlichkeit vor. Dr. Mìræin Wa³da sprach über das katholische Milieu im Eichsfeld, Dr. Sonja Wölkowa zu Fragen der Stilistik in Printmedien, Christian Pruniè analysierte das Poem von M. Witkojc "Erfurtske spomnje¶a" und Dr. Edmund Pjech widmete seine Ausführungen der Nationalitätenpolitik zur Zeit der DDR.
Der XXXIII. Wettbewerb der Schüler im Fach Sorbisch fand am 27. und 28. 05. in Weißwasser/Bì³a Woda statt.
Auf einer internationalen Konferenz der polnischen Universität Kraków sprach am 28. 05. Prof. Dr. Dietrich Scholze über die Rezeption polnischer Dramatik durch das sorbische Berufstheater (1948-2000).
Die niedersorbische Abteilung der Maæica Serbska tagte am 29. 05. in Cottbus/Choæebuz unter der Leitung des Vorsitzenden Mìto Pernak. Über die Entwicklung der niedersorbischen Orthographie sprach die Aspirantin Anja Pohonèowa.
Dem 200. Geburtstag des russischen Dichters A. S. Puschkin waren in Cottbus/Cho¶ebuz (29. 05.) und in Bautzen/Budy¹in (06. 06.) Veranstaltungen gewidmet. Die Träger dieser beiden Literaturabende (Sorbischer Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow, Maæica Serbska, Deutsch-Sorbisches Volkstheater/Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o, Domowina) sowie die Redaktion der "Serbske Nowiny", die dem Dichter und seinen Übersetzungen ins Sorbische eine ganze Seite widmete, stellten den Dichter als einen "slawischen Genius" vor.
Neue Übersetzungen der Lyrik von Puschkin ins Niedersorbische hat Mìto Pernak vorgelegt, die die Universität in Potsdam in einem Sammelband herausgeben will.
Auf der internationalen Konferenz "A. S. Puschkin und die Weltkultur", die zu Jahresbeginn von der Lomonossow-Universität Moskau einberufen wurde und an der mehr als 150 Wissenschaftler aus aller Welt teilnahmen, referierte der sorbische Kulturgeschichtler Dr. Mìræin Völkel über die 150jährige Rezeption von Puschkins Werken bei den Sorben.
Ende Mai besuchte der 58jährige Charles Wukasch aus Austin (Texas/USA) die Lausitz, aus der seine Vorfahren stammen. Der Hochschullehrer für Englisch arbeitet an einem Buch über die Sorben. Über seine Erlebnisse in der Lausitz hat er in der "Texas Wendish Heritage Society" (kulturelle Gemeinschaft der Texas-Sorben) berichtet.
Bereits am 14. 05. hielt er am Institut für Slawistik der Universität Potsdam eine Vorlesung zum Thema "Die sorbische Sprache in Texas - Soziolinquistische Aspekte der Zweisprachigkeit".
Juni [oben]
Nachdem 1998 die Schüler und Lehrer der Grundschule "Dr. Marja Grólmusec" aus Radibor/Radwor ihre Partnerschule in Liberec/ÈR besucht hatten, konnten sie im Juni ihre Gäste der tschechischen Schule begrüßen. Durch die Ähnlichkeit der sorbischen und tschechischen Sprache war die Verständigung im gemeinsamen Unterricht und bei Spielen nicht nur leicht möglich, sondern auch herzlich.
Freundschaftliche Verbindungen bestehen auch zwischen der Sorbischen Grund- und Mittelschule Bautzen/Budy¹in und der Partnerschule in Jablonec n. N. Die sorbischen Schüler boten ihren tschechischen Gastgebern ein Frühlingskonzert (25. 06.).
Erfahrungen über die Ausbildung von Studenten tauschten Ende Juni die Sorbische Fachschule für Sozialpädagogik Bautzen/Fachowa ¹ula za socialnu pedagogiku Budy¹in und die Pädagogische Schule in Nová Paka/ÈR aus.
Die Buchhandlung Kretschmar in Bautzen/Budy¹in beging am 01. 06. ihr 70jähriges Bestehen. Der sorbische Schriftsteller Jurij Brìzan ist eng mit der Buchhandlung seit seiner Gymnasiastenzeit in Bautzen/Budy¹in verbunden und las anlässlich des Jubiläums aus seinem neuesten Werk "Ohne Pass und Zoll". Das Antiquariat umfasste auch immer sorbenkundliche Bücher und sorbische wissenschaftliche Literatur.
Auf die Frage, ob die Sorben ihre Sprache an ihre Kinder weitergeben werden, versucht der Autor Reinhard Veser in einem umfangreichen Artikel der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (03. 06.) am Beispiel des Witaj-Projektes zu beantworten.
Dr. Marcus Sommer von der Kammer der Notaren des Freistaates Sachsen bestätigte am 07. 06. , dass durch das Sorbengesetz des sächsischen Landtages nunmehr auch möglich ist, verschiedene Urkunden in Sorbisch auszustellen.
Eine Arbeitsgruppe für Angelegenheiten des sorbischen Schulwesens wurde am 08. 06. mit dem Ziel gegründet, inhaltlich die Beratungen im Kultusministerium der Landesregierung Sachsens vorzubereiten. Dem Gremium gehören an Vertreter des Regionalschulamtes, des Kultusministeriums und des Sorbischen Schulvereins/Serbske ¹ulske towarstwo.
Der Inhalt der Charta der Minderheiten- und Regionalsprachen Europas war Gegenstand der Debatten am 10. und 11. 06. in Bonn, an denen auch Vertreter der Sorben teilnahmen: der Vorsitzenden der Domowina und sein Stellvertreter Jakub Brankaèk und Dr. Ludwig Ela sowie die Vorsitzende der Sektion Sorbische Sprache der Maæica Serbska, Anja Pohonèowa.
"Pro-Musica-Nova" nennt sich die neue Konzertreihe in Bautzen/Budy¹in, die vom Sorbischen Nationalensemble/Serbski ludowy ansambl veranstaltet wird. Im vierten Konzert (10. 06.) erklang in der Uraufführung das Klavierkonzert Nr. 3, As-Dur vom Hinc Roj. Als Pianistin trat Heidemarie Wiesnerowa, gebürtig aus Baruth/Bart, auf; jetzt wirkt sie in Milano.
Acht Kindertheatergruppen beteiligten sich an den 13. Tagen des sorbischen Kindertheaters am 11. und 12. 06. in Bautzen/Budy¹in, die von der Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud organisiert werden. Die jungen Schauspieler stellten ihre Stücke vor und erhielten von Fachleuten Ratschläge für ihre künstlerische Arbeit.
Den "Tag der abgebaggerten sorbischen Dörfer" (12. 06.) begingen auf Anregung der Domowina die Einwohner und Gäste aus der ganzen Lausitz in Horno/Rogow. Mit Transparenten und blau-rot-weißen Sorbenfahnen sowie in Ansprachen protestierten die Versammelten gegen die Abbaggerung des Dorfes.
Bereits aus 77 Gemeinden der Niederlausitz wurden die Einwohner vertrieben. Solidarität bekundete auch der Präsident der Gesellschaft für bedrohte Völker, Tilmann Zülch.
An der Ortsgrenze pflanzten der ehemalige Bürgermeister von Horno/Rogow Bernd Siegert (Horno gehört jetzt zur Gemeinde Jänschwalde/Jan¹ojce) und der Domowina-Vorsitzende Jakub Brankaèk eine junge Linde.
Bereits zum vierten Mal (13. 06.) feierten die Einwohner von Seidewinkel/®id¼ino bei Hoyerswerda/Wojerecy das "Essen am Feldrain". Die Sorbische Trachtengruppe/Serbske drastowe towarstwo hatte dazu eingeladen und ein buntes folkloristisches Programm aufgestellt. Als Gäste nahmen auch teil der Trachtenverein aus der Partnergemeinde Schaumburg und der Vorsitzende des Deutschen Trachtenverbandes, Otto Krakler.
Die CDU gewann am 13. 06. in Sachsen die Wahlen in das Europäische Parlament mit annähernd 48 %. Auf der Liste der CDU der sächsischen Abgeordneten steht auch der aus Panschwitz-Kuckau/Panèicy-Kukow stammende Stanis³aw Tilich, der bereits Jahre in Brüssel arbeitet.
In den Kreis- und Stadttagen sowie Gemeindevertretungen werden auch weiterhin Sorben vertreten sein.
Das Wahlergebnis für die Sorbische Wählergemeinschaft im Kreis Kamenz/Kamjenc ist für den Bürgermeister der Gemeinde Ralbitz-Rosenthal/Ralbicy-Ró¾ant, Alfons Ryæer, der wiederum einen Sitz im Kreistag erhielt, realistisch.
Als "wertvolle Fundgrube" bezeichnet ein Beitrag in der "Sächsischen Zeitung" (14. 06.) den neuen Band der "Sorbischen Bibliographie/Serbska bibliografija 1991-1995", der in der Gesamtredaktion von Franc ©ìn am Sorbischen Institut/Serbski institut erarbeitet wurde.
23 jungen Diplomaten aus 16 Mittel- und Osteuropäischen Ländern, die zur Weiterbildung in Dresden weilten, erläuterte der sorbische Landtagsabgeordnete Sieghard Kozel rechtliche Regelungen, die die Sorben betreffen.
"Für mich ist das Minderheitenrecht eine Reifeprüfung für die Gesellschaft," sagte der Diplomat Ivica Vasilj aus Kroatien.
Auf der ersten Sitzung des zu Jahresbeginn neu gewählten Rates der Stiftung für das sorbische Volk /Za³o¾ba za serbski lud am 15. 06. in Potsdam wurde beschlossen, dass in der Stiftungskommission, dem Arbeitsgremium des Rates, die Sorben die Mehrheit haben sollen. Fünf sorbische Vertreter bilden gemeinsam mit je einem Vertreter des Landes Brandenburg und des Freistaates Sachsen diese Kommission.
Das bestehende Vetorecht der Sorben in Grundsatzfragen war in den Verhandlungen um die neue Struktur der seit Januar selbstständigen Stiftung abgeschafft worden. Die Konstellation im Rat war zu Ungunsten der Sorben ausgefallen: Mit 40 Prozent Stimmanteil im Rat konnten die Belange der Sorben immer überstimmt werden; im Rat sitzen sechs Sorben, sechs Vertreter von Bund, Sachsen und Brandenburg sowie drei aus der kommunalen Politik.
Als Direktor der Stiftung wurde Marko Suchy wiedergewählt.
Der Kommandeur des Ersten Deutsch-Niederländischen Korps (Münster), Oberstleutnant Lothar Boden, übergab am 15. 06. für die Witaj-Gruppe des Kindergartens in Dörgenhausen/Nìmcy ein Radio mit CD-Player. Im Rahmen der politischen Bildung besuchten Soldatengruppen auch Bautzen/Budy¹in, um die Sorben kennen zu lernen. Hier erfuhren sie vom Witaj-Projekt in der Trägerschaft des Sorbischen Schulvereins/Serbske ¹ulske towarstwo, der die sorbische Sprache fördern soll.
Die Ortsgruppe der Domowina in Nebelschütz/Njebjelèicy gedachte am 17. 06. des sorbischen Patrioten und Dichters Jan Skala (1889-1945), der hier geboren wurde. Jurij £u¹æanski würdigte die Verdienste von Jan Skala sowohl für das sorbische politische und kulturelle Leben der Sorben als auch Skalas Eintreten für die Minderheitenrechte in der Weimarer Republik u. a. als Herausgeber der Zeitschrift "Kulturwille" des Verbandes der nationalen Minderheiten Deutschlands.
Das Gymnasium Carl von Bach in Stollberg (Erzgebirge) ehrte am 18. 06. seinen ehemaligen Lehrer, den sorbischen Wissenschaftler Dr. h. c. Ota Wiæaz-Otto Lehmann (1874-1952). An der Enthüllung des Gedenksteines und am Kolloquium nahmen neben den Lehrern, Schülern und Absolventen des Stollberger Gymnasiums auch Mitglieder der Societas Slavica Budissinensis (Verein der Gymnasiasten am sorbischen Gymnasium in Bautzen) und der Sektion Literatur und Kunst der Maæica Serbska, die den Gedenkstein finanzierte, teil. Dank eines Schülerprojektes wurden Daten über O. Wiæaz ins Internet eingespeichert.
Mit der obersorbischen botanischen Nomenklatur befasste sich die ukrainische Slawistin Switlana Adamenko, die zu diesem Thema ihre Dissertationsschrift an der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine in Lwiw am 18. 06. erfolgreich verteidigte.
Das Mìræin-Nowak-Haus in Nechern/Njechorñ übergab der Domowina-Vorsitzende Jakub Brankaèk am 19. 06. der Öffentlichkeit. Der Künstler M. Nowak-Njechorñski (1900-1990) hatte sein Wohnhaus mit seinem Atelier der Domowina vererbt.
Nach einer Konzeption von Trudla Malinkowa und künstlerischen Ausgestaltung von Eberhard Kahle präsentiert das Haus Ausstellungsgegenstände aus dem Leben von M. Nowak, das nicht nur ein Museum darstellen soll, sondern eine lebendige Begegnungsstätte.
Die sorbische Laienspielgruppe Crostwitz/Chrósæicy erntete am 19. und 20. 06. mit ihrem neuen Programm "Smìch njeje hrìch" ("Lachen ist keine Sünde") im Heimatdorf dankbaren Applaus. Autorin der satirischen Szenen ist Wór¹a ©o³æic.
Die beiden Ministerpräsidenten Prof. Biedenkopf (Freistaat Sachsen) und Dr. Stolpe (Land Brandenburg) haben am 23. 06. in einem gemeinsamen Brief vom Bundeskanzler Schröder gefordert, dass die Mittel des Bundes für die Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud nicht gekürzt werden.
Auch der sächsische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst, Prof. Meyer, erinnerte in einem Schreiben den Kulturminister Dr. Naumann an die Zusagen der Bonner Regierung vom 16. 12. 1998, nach der die von der Kohl-Administration geplanten Kürzungen korrigiert werden.
"Die Kürzungen können wir nicht zurücknehmen," zitierte die "Sächsische Zeitung" (03. 07.) den Kulturminister Dr. Naumann, der am 02. 07. in Dresden zur Kulturpolitik sprach. Ab dem Jahr 2000 will der Bund stufenweise seine Förderung von 16 Millionen DM auf rund 14 Millionen Mark zurücknehmen und das trotz der Ankündigung von Bundeskanzler Schröder am 16. Dezember 1998 in Dresden gegenüber der sächsischen Regierung, die beschlossene Kürzung der alten Bundesregierung aufzuheben.
Die 40. Klage gegen die Umsiedlung der Einwohner von Horno/Rogow wurde am 23. 06. vom Verwaltungsgericht Cottbus/Choæebuz abgewiesen. Unterlegener Kläger war der britische Staatsangehörige Michael Gromm. Den Richterspruch wertete der Präsident als wichtig für die Braunkohle auf dem Weg zur Planungssicherheit.
Bereits vor einem halben Jahr hatte das Gericht 39 Klagen der Gemeinde Horno/Rogow und von einzelnen Bürgern abgewiesen. Es läuft noch eine Klage des Dorfes und der Domowina vor dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Strasbourg.
Im Haus der Kultur in der polnischen Stadt Zgorzelec referierte am 22. 06. Prof. Dietrich Scholze über die Geschichte und Gegenwart der Sorben. Dies war der Beginn einer Vortragsreihe, die von der Stadtbibliothek und der Polnisch-Sorbischen Gesellschaft in Wroc³aw für 1999 organisert wurde. Danuta Gajczewska, Vorsitzende des Vereins, setzt sich für die Herausgabe einer Anthologie sorbischer Lyrik in polnischer Sprache ein.
Auf Tournee nach Spanien begab sich am 23. 06. eine Gruppe des Sorbischen Nationalensembles/Serbski ludowy ansambl, die dort auf einigen Festivals auftreten wird. Im Saarland stellte eine weitere Gruppe (Chor und Volksmusikanten) das Programm "Lausitzer Kirmes" vor. Im Juli reisten die Volksmusikanten nach Japan.
Dr. Karl Kowalewski aus Lüchow begrüßte am 24. 06. eine Seniorengruppe des Sorbischen Schulvereins/Serbske ¹ulske towarstwo im Hannoverschen Wendland. Die slawische Vergangenheit dieser Gegend, so Dr. K. Kowalewski, verpflichtet zur Suche nach gemeinsamen Wurzeln. Mitte des 18. Jahrhunderts war im Wendland die slawische Sprache ausgestorben.
Der 53. Sorbische Kirchentag wurde in diesem Jahr am 26. und 27. 06. in Nochten/Wochozy gefeiert. Am ersten Tag begrüßte Jan Malink, Vorsitzender des Sorbischen Kirchentages, zahlreiche Gäste in der im Jahre 1780 erbauten Holzkirche in Sprey/ Sprjowje, unmittelbar am Rande des Braunkohlenabbaugebietes.
Am zweiten Tag hörten die Anwesenden u. a. einen Vortrag von Günter Wjenk zum Thema "Lausitzer Braunkohle - wie weiter?", in dem er auch sagte, dass die Kohle ein Segen für die Lausitz war und ist, da sie die Wirtschaft dieser Region stark geprägt hat. Seine Zustimmung zur Umsiedlung der Dorfbewohner von Horno/Rogow fand starken Widerspruch der Teilnehmer.
Eine Gedenktafel für den Pfarrer von Nochten/Wochozy und Mitbegründer der Domowina Bogumi³ ©wjela (1873-1948) wurde an der Kirchenmauer enthüllt.
Juli [oben]
Der Präsident der Tschechischen Republik, Václav Havel, informierte sich am 02. 07. in der Grenzstadt Varnsdorf/ÈR über die Situation der Sorben. Das Staatsoberhaupt hatte den Wunsch geäußert, in Varnsdorf mit den sorbischen Vertretern zu sprechen, da hier in den Jahren 1945-1949 sorbische Schüler ausgebildet, sorbische Bücher gedruckt und eine reges kulturelles Leben entfaltet wurde. Hier konnte auch der sorbische Komponist Bjarnat Krawc/Schneider (1861-1948) als Ehrenbürger der Stadt seinen Lebensabend verbringen; da er 1945 in Dresden sein Hab und Gut verlor.
An der Zusammenkunft nahmen teil die Vorsitzenden der Domowina (Jakub Brankaèk), des Künstlerbundes (Benedikt Dyrlich), des Schulvereins (Ludmila Budarjowa) und der Maæica Serbska (Dr. Mìræin Völkel, Schüler des sorbischen Gymnasiums in Varnsdorf 1946-1949). In den Gesprächen wurden sowohl die traditionellen kulturellen sorbisch-tschechischen Wechselbeziehungen wie auch gegenwärtige Kunst-, Literatur- und Wissenschafts-beziehungen erläutert und gewürdigt.
Zur Eröffnung der Begegnungsstätte "Zejler-Smoler-Haus" in Lohsa/£az am 02. 07. sagte der Vorsitzende des Fördervereins Walter Thomas, dass jetzt die Idee des Komponisten Jan Pawo³ Nagel, das ehemalige Schulhaus als Gedenkstätte für die beiden bedeutendsten Lohsaer Persönlichkeiten zu gestalten, Wirklichkeit wurde.
An einem internationalen Folklorefestival in Griechenland Anfang Juli beteiligte sich auch die sorbische Tanzgruppe aus Schmerlitz/Smjerd¼aca.
Zum internationalen Wettbewerb von Laiengruppen in Llangollen (Wales), das seit 1947 alljährlich durchgeführt wird, wurde die 1. Sorbische Kulturbrigade/1. Serbska kulturna brigada aus Bautzen/Budy¹in eingeladen. Die 70 Schüler des Sorbischen Gymnasiums stellten sich der internationalen Jury, blieben aber bei der hochkarätigen Konkurrenz ohne Preis.
Die Kindertanzgruppe "£u¾ièanka" des Sorbischen Nationalensembles/Serbski ludowy ansambl wude begeistert gefeiert auf dem "Niedersachsenfestival" bei Hannover (09.-11. 07.), an dem weitere 65 Gruppen teilnahmen.
"Ho³bik èornej nó¾ce ma" ("Das Täubchen hat zwei schwarze Füßchen") von Jìwa-Marja Èornakec ist ihre erste Anthologie von Kurzgeschichten. Sie erschien Anfang Juli im Domowina-Verlag/Ludowe nak³adnistwo Domowina.
Mit dem Erzählerband "Seklojta ¹æe¾ka" ("Verschlungene Pfade") bereicherte im September eine weitere junge Frau das Literaturangebot. Dorothea ©o³æina befasst sich in den Erzählungen mit Alltagskonflikten.
Dr. Jana ©o³æina vom Sorbischen Institut/Serbski institut erläuterte auf einer Veranstaltung der Sektion Sorbische Sprache der Maæica Serbska am 07. 07. Ergebnisse einer Umfrage unter Studenten zum Thema "Was sind die Kriterien für das Sorbische?". Die Sprache spielt bei der nationalen Identifikation für die Befragten eine größere Rolle als die Herkunft und die Integration im sorbischen Leben, lautete eins der Ergebnisse.
Das 21. Fest der sorbischen Poesie/D¼en serbskeje poezije war in diesem Jahr dem vor 125 Jahren geborenen Schriftsteller Jakub Lorenc-Zalìski (1874-1939) gewidmet. Es begann am 15. 07. mit einem Festvortrag von Prof. D. Scholze im Bautzener Rathaus, es folgten Lyrikabende u. a. im Geburtsort Radibor/Radwor und Schleife/Slepo sowie in der Grenzstadt Varnsdorf/ÈR.
Eingeladen werden zu den Festen auch nichtsorbische Dichter, 1999 waren es Peter Huchel aus Berlin, Bohdan Urbankowski aus Warschau, Marian Szualecki aus Zgorzelec und Milan Hrabal aus Varnsdorf.
Im Konzert mit sorbischer Musik, dargeboten am 10. 07. in Bautzen/Budy¹in von der Neuen Lausitzer Philharmonie, erklangen als Uraufführung zwei Kompositionen: das Cellokonzert op. 105 von Hinc Roj und das Klavierkonzert von Ulrich Pogoda.
Der Deutsche Musikrat hat dieses Konzert gefördert, "um interessierten Hörern Zugang zu neuer Musik zu erleichtern," hieß es im Programmheft.
"Die Länder Brandenburg, Sachsen, Niedersachsen und Schleswig-Holstein sollten künftig zusammenarbeiten, um die Minderheiten in ihren Ländern besser zu fördern", sagte der Landtagspräsident von Schleswig-Holstein, Heinz-Werner Arens, nach seinem zweitägigen Arbeitsbesuch in Cottbus/Choæebuz am 16. und 17. 07.
Zuvor (15. 07.) war der Gast gemeinsam mit dem sächsischen Landtagspräsidenten Erich Iltgen in Bautzen/Budy¹in mit dem Domowina-Vorsitzenden Jakub Brankaèk zusammen-getroffen, wobei Probleme der Finanzierung und des Schulwesens erörtert wurden.
"Bräuche, Trachten, Traditionen" lautete das Motto der Festtage rund um das Sorbische Kulturzentrum/Serbski kulturny centrum in Schleife/Slepo vom 23.- 25. 07. Bühnen-programme und Trachtenschauen gestalteten die Kulturgruppen des Kirchspiels.
Zum 3. Internationalen Folklorefestival "£u¾ica ´99" in Crostwitz/Chrósæicy (23.-25. 07.) kamen 10.000 Besucher. Glanzpunkte waren das Galaprogramm, abendliche/nächtliche Auftritte von 24 in- und ausländischen Folkloregruppen nationaler Minderheiten, vorwiegend aus osteuropäischen Ländern, aber auch der Saaterfriesen, auf sechs Bauernhöfen sowie der Festumzug.
Der Schirmherr des Festivals - Sachsens Ministerpräsident Kurt Biedenkopf - schrieb in seinem Grußwort: "Diese Präsentation der regionalen Vielfalt folkloristischer Ausdrucksformen fördert das so notwendige Verständnis für andere Volksgruppen. Für das Zusammenwachsen Europas ... halte ich dies für außerordentlich wichtig."
Hans Joachim Wiesenmüller vom Vorstand der internationalen Vereinigung für Folklorefestivals (CIOFF) : "Man merkt, hier steht das ganze Dorf hinter dem Festival. Die Crostwitzer haben dieses Festival sehr lebensnah gestaltet."
"Dieses internationale Folklore-Festival stellt eine bedeutende kulturelle Leistung für die Zukunft dar," schrieb Omar Sacirbey im "Christian Science Monitor" Boston (USA)
Die norwegische Zeitung "Bergens Tidende" veröffentlichte am 24. 07. einen Erlebnisbericht der Dozentin an der Handelshochschule Gerda Moter Erichsen, in dem sie über die Geschichte der Sorben informiert und auch Möglichkeiten des Erlernens der Sprache aufzeigt.
Benedikt Dyrlich, Vorsitzender des Künstlerbundes, übergab am 27. 07. in Dresden dem Bundeskanzler Schröder ein Schreiben, in dem er um ein Gespräch über die Förderung der sorbischen Sprache und Kultur bittet. Der Kanzler versprach die Beantwortung des Briefes.
Inzwischen hatte der Bundesminister Michael Naumann in einem Schreiben an Prof. Kurt Biedenkopf mitgeteilt, dass die Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud nicht aus den Sparmaßnahmen der Regierung ausgeklammert werden kann.
August [oben]
Vor 135 Jahren wurde in der Kirche zu Zerkwica/Cerkwica bei Lübben/Lubnjow zum letzten Mal in sorbischer Sprache gepredigt. Am 08. 08. feierten 120 Teilnehmern einen deutsch-sorbischen Gottesdienst, der auch daran erinnerte, dass an dieser Kirche bedeutsame sorbische Pfarrer tätig waren, z. B. der Sprachforscher Jan Chojnan (1616-1664), der Verfasser einer niedersorbischen Grammatik Jan Bogumi³ Hauptmann (1703-1768) und der Dichter Kito Fryco Stempel (1787-1867).
Zum Beginn des neuen Schuljahres bietet der Domowina-Verlag/Ludowe nak³adnistwo Domowina mehr als 170 Schulbuchtitel an, meldeten die "Serbske Nowiny am 12. 08.
Unter ihnen Lehrbücher, Arbeitshefte, Terminologien und weitere Lexika. Acht von den neuen Titeln wurden im Verlag/Lektorat für Schulbuch entwickelt, fünf sind Lizenzausgaben deutscher Verlage.
Eröffnet wurde am 15. 08. die Schatzkammer des Klosters St. Marienstern in Panschwitz-Kuckau/Panèicy-Kukow als eine ständige Ausstellung. 150 sakrale Schätze, Gemälde, Erzeugnisse des Kunsthandwerks, Handschriften aus sieben Jahrhunderten werden der Öffentlichkeit gezeigt. Sorbische Beschriftungen der Exponate und z. B. Gedichte des in Kuckau/Kukow geborenen Dichters Jakub Bart-Æi¹inski (1856-1909) bezeugen, dass die Umgebung des Kloster von Sorben und Deutschen bewohnt wird.
An diesem Tag wurde auch der Förderverein Kloster St. Marienstern, dem 40 Bürger beigetreten waren, gegründet. Den Vorsitz führt der sächsische Minister Stanis³aw Tilich, sein Stellvertreter ist der Finanzminister Prof. Milbradt und als Geschäftsführer wurde der Bürgermeister Franc Pjeta¹ gewählt.
"Mein sorbisches Bildwörterbuch" - erschienen im Domowina-Verlag Bautzen/Ludowe nak³adnistwo Domowina Budy¹in - soll auch als Lehrmittel genutzt werden in Kindergärten, wo Kinder aus zweisprachigen oder nichtsorbischen Elternhäusern die sorbische Sprache erlernen. Jedem Bild sind sorbische und deutschen Bezeichnungen und die Aussprache-regeln beigegeben. Als Autorin des Bandes zeichnet Michaela Hrjehorjec, die Illustrationen schuf Konrad Golz.
Die Kinder des Kindergartens in Dörgenhausen/Nìmcy (Stadt Hoyerswerda) erhielten als erste das Buch am 18. 08. aus den Händen der Autorin.
Die Einführung eines Aufbaustudiums im Fach Sorbisch für Lehrer der Grund- und Mittelschulen an der Universität Leipzig forderte der Domowina-Vorsitzenden Jakub Brankaèk vom sächsischen Kultusminister Dr. Matthias Rößler, in einem Schreiben vom 18. 08. Das Kultusministerium sollte mit dem Ministerium für Wissenschaft und Kunst Wege für die Qualifizierung finden, die den Anforderungen an einen muttersprachlichen Unterricht entsprechen.
In den Sammelband "Serbske balady" ("Sorbische Balladen"), der ab dem 20. 08. zum Verkauf angeboten wurde, nahm die Herausgeberin Prof. Lucia Hajnec all jene von Dichtern in Versform geschaffenen Volkserzählungen auf, die literarischen Wert besitzen.
Während einer Exkursion der wissenschaftlichen und politischen Mitarbeiter der sächsischen PDS-Fraktion nach Bautzen/Budy¹in und ins sorbisch-deutsche Schulmuseum nach Wartha/ Stró¾a am 19. 08., zu der der Landtagsabgeordnete Sieghard Kozel eingeladen hatte, äußerten die Teilnehmer ihren Protest gegen finanzielle Kürzungen für die sorbische Stiftung.
Mit 83 Fotos, Zeichnungen und Abbildungen von zeitgenössischen Postkarten stellt das neue "Lübbenauer Trachtenbuch" aus dem Domowina-Verlag Bautzen/Ludowe nak³adnistwo Domowina Budy¹in eine Dokumentation auf historischen Hintergrund vor.
Ute Hentschel konnte sich als Autorin bei der Materialsammlung auf Schätze des Spreewald-Museums Lübbenau/Lubnjow stützen.
Das Buch wurde präsentiert am 21. 08. im Freilandmuseum Lehdy/Lìdy, das an diesem Tag seinen 100. Gründungstag feierte.
Der neugegründete Förderverein "Mediumzentrum Bautzen"/ Spìchowanske towarstwo "Medijowy centrum Budy¹in" will die journalistische, pädagogische und technische Ausbildung am Sorbisches Medienzentrums/Serbski medijowy centrum unterstützen. In einem Pressegespräch am 27. 08. sagte der Fördervereinsvorsitzende Dr. Rudolf Kilank: "Ich kann mir vorstellen, dass in Zukunft alle sorbischen Medien in einem Zentrum konzentriert werden, wobei aber die Pluralität nicht verloren gehen darf. ... Ich bin auch nicht dafür, dass wir nur unseren sorbischen Turm bauen. Zu unserer Region gehören Deutsche und Sorben, aber auch Tschechen und Polen."
Das fünfte Treffen sorbischer Familien fand am 29. 08. auf dem Burgwall in Kuckau/Kukow statt, zu dem der Cyrill und Methodius Verein/Towarstwo Cyrila a Metoda eingeladen hatte.
September [oben]
Am 01. 09. empfing der Papst Johannes Paul II. in einer Generalaudienz auch eine sorbische Pilgergruppe. Der Papst begrüßte die sorbischen Katholiken in polnischer Sprache. Der Vorsitzende des Cyrill und Methodius Vereins/Towarstwo Cyrila a Metoda, Pfarrer Micha³ Nawka, übergab ihm ein Grußschreiben und ein Album mit Bildern aus der Lausitz. Beim Betrachten der Dokumente erinnerte sich der Papst an seine Reise als polnischer Kardinal nach Crostwitz/Chrósæicy, wo er am Denkmal für die gefallenen polnischen Soldaten gebetet hat.
Im "Katolski Poso³" schrieb der Chefredakteur Gerat Wornar: "Der erste slawische Papst, Sohn der großen polnischen Nation, hatte sich väterlich, ja wie ein Vater und Bruder den Vertretern der kleinen slawischen Nation zugewandt. Möge uns die erwiesene Ehre Verpflichtung und Ansporn sein für unser tägliches Wirken für unseren Glauben und die Nation."
Die sächsischen Staatsminister Prof. Hans Joachim Meyer (Wissenschaft und Kunst) und Prof. Georg Milbradt (Finanzen) übergaben am 01. 09. in einem Festakt dem Domowina-Vorsitzenden Jakub Brankaèk die notarielle Urkunde zur Grundstücksübertragung des Serbski dom /Haus der Sorben in Bautzen/Budy¹in. An der Veranstaltung nahmen auch teil die beiden Landtagsabgeordneten Marko ©iman (CDU) und Sieghard Kozel (PDS), der Vorsitzende der Stiftung für das sorbische Volk, Clemens Hrjehor, sowie viele ehemalige Brigadisten, die in den ersten Nachkriegsjahren freiwilligen Arbeitsstunden am Neubau des Serbski dom geleistet haben.
Als "einen Akt historischer Gerechtigkeit" wertete Dr. Mìræin Völkel, Vorsitzende der Maæica Serbska, der die Liegenschaft am Postplatz bis zur Enteignung im Jahre 1949 gehörte.
Nach 1990 ging das Haus in Bundeseigentum über und seit dieser Zeit bemühten sich die Maæica Serbska und Domowina um die Rückführung der Eigentumsrechte in sorbische Hände. 1995 übernahm der Freistaat Sachsen das Gebäude mit der Verpflichtung, dass es den Sorben unentgeltlich zur Verfügung gestellt wird.
Der Schriftsteller Jurij Brìzan, der mit Jugendlichen am Haus gebaut hatte, sagte in der Festansprache:"Dieses - unser - Sorbisches Haus ist der materielle Ausdruck des Lebens-willen unseres Volkes."
"Hrvatske Noviny" (Zagreb) berichteten am 10. 09. ausführlich über den Festakt, stellten die Geschichte des Hauses vor und zitieren Dr. Mìræin Völkel, der vorgeschlagen hat, auch in deutscher Sprache die Bezeichnung Serbski dom zu verwenden.
Auf einem Forum der Tageszeitung "Serbske Nowiny" am 01. 09. waren sich alle Gesprächspartner einig, dass die Pläne, nach denen der Bund bereits im nächsten Jahr die Gelder für die Stiftung für das sorbische Volk /Za³o¾ba za serbski lud kürzen will, korrigiert werden müssen. Für dieses Ziel traten auf der kulturpolitische Sprecher der SPD-Fraktion Lothar Mark, die Bundestagsabgeordneten Barbara Wittig (SPD), Ulrich Klinkert (CDU), Klaus Haupt (FDP), Karl-Heinz Gerstenberg (Bündnis 90/Die Grünen) und Gunhild Lattmann-Kretschmer (PDS).
Der Ministerpräsident von Brandenburg, Manfred Stolpe, äußerte in einem Interview mit der Zeitung "Serbske Nowiny" am 03. 09. u. a.(Rückübersetzung):
"Mit dem sächsischen Ministerpräsidenten haben wir in einem gemeinsamen Schreiben den Bundeskanzler darauf hingewiesen, dass es notwendig ist, die Stiftung für sorbische Volk auch weiterhin in gleicher Höhe zu unterstützen. Beide Länder haben außerdem den Sorben versprochen, dass es ihrerseits bei dem gemeinsamen Finanzierungsanteil von 16 Millionen Mark bleibt, was in Anbetracht der Finanzlage nicht leicht ist. Es ist aber nicht möglich, dass unsere Länder die Kürzungen des Bundes kompensieren."
Offiziell übergab Prof. Brigitte Witzer am 06. 09. in Bautzen/Budy¹in den Sächsischen Ausbildungs- und Erprobungskanal (SAEK). Zum Studioleiter wurde Dr. Thomas Hartung berufen. Der Vorsitzende des Fördervereins des Bautzener Medienzentrums, Dr. Rudolf Kilank, würdigte die neue Einrichtung, unterstrich aber auch, dass das Studio täglich eine Stunde in sorbischer Sprache senden könnte.
Zur Ausbildung hatten sich zu diesem Termin bereits 65 Jugendliche angemeldet, über die Hälfte waren Sorben.
Die aus Baruth /Bart bei Bautzen/Budy¹in stammende und in Dresden lebende Künstlerin Borbora Wiesnerowa stellte ihre Zeichnungen und Reliefs zum Thema "Landschaft" in der Sorbischen Kulturinformation (SKI) in Bautzen/Budy¹in vom 08. 09. -15. 10. aus.
Der SPD-Bundestagsabgeordneter Lothar Mark, Sprecher für Kultur seiner Bundestags-fraktion, versprach in einem Gespräch mit sorbischen Künstlern am 09. 09., dass er in den Haushaltslesungen den Antrag auf Zurückweisung der Kürzungen für die sorbische Stiftung (von 16 auf 14,2 Millionen) stellen werde.
Das Commerauer Heidetreffen wurde von 1956 bis zur politischen Wende von der Domowina und der Gemeinde und 1990 und 1991 vom Gaststätteninhaber organisiert. Nach sieben Jahre Pause übernahm der eigens für das Fest gegründete "Commerauer Heide-treffen e.V." die Regie. Das 37. Heidetreffen wurde vom 09.-12. 09. gefeiert.
"Es darf nicht nur in Bautzen etwas von den Sorben und ihrer Kultur zusehen sein. Gerade in den umliegenden Dörfern muss etwas gemacht werden," sagte K. Lorenz zur "Sächsischen Zeitung".
Bilder des Malers Jan Buk stellte ab dem 10. 09. das Cottbuser Sorbische Museum/Serbski muzej aus, wobei er jene für die Ausstellung auswählte, die der Künstler dem Thema "Niederlausitzer Ansichten" zuordnet: Tagebaulandschaften, Lausitzer Natur, Dörfer und die Stadt Cottbus/Choæebuz.
Seit dreieinhalb Jahrzehnten bereichert der Chor "Budy¹in" das kulturelle Leben nicht nur der Stadt Bautzen/Budy¹in, sondern der ganzen Lausitz durch die Pflege der sorbischen Musik. Am 11. 09. gaben die Sänger aus Anlass des 35jährigen Gründungsjubiläums ein Festkonzert im Sorbischen Museum/Serbski muzej in Bautzen/Budy¹in.
Für Jan Bok (bekannt auch unter den Namen Johannes Bock - Bocatius) wurde anlässlich seines 430. Geburtstages in seinem Geburtsort Vetschau/Wìto¹ow an der Wendischen Kirche eine Gedenktafel enthüllt.
Auf einem internationalen Symposium am 11. 09. wurden das Leben und die Verdienste des Jan Bok (1569-1621) dargestellt: Er zählt als Dichter zu den sorbischen Humanisten und wurde als poeta laureatus gekrönt, schrieb in lateinischer und deutscher Sprache, war Bürgermeister der Stadt Ko¹ice (Kaschau), Gesandter des ungarischen Fürsten im Kampf für die Religionsfreiheit, Gefangener des Kaisers im Prager Weissen Turm, Historiograph. Doris Teichmann zeichnete in einer Ausstellung den Lebensweg von Jan Bok nach. Veranstalter war der Förderverein Wendische Kirche Vetschau.
In den Wahlen zum dritten sächsischen Landtag am 19. 09. gewann die CDU 76, die PDS 30 und die SPD 22 Mandate. Von den sorbischen Kandidaten erreichten das Ziel Marko ©iman (CDU) und Hajko Kozel (PDS).
Die Komödie "Mirandolina" von Carlo Goldoni wurde am 19. 09. als erste Aufführung des neuen Spieljahres des Deutsch-Sorbischen Volkstheaters/ Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o in Dreikretscham/Haslow in sorbischer Übersetzung aufgeführt.
Das Puppentheater des Bautzener Schauspielhauses spielte am 23. 09. zum ersten Mal das Stück "Ma³y bobak Kája" ("Das kleine Gespenst Kája") der tschechischen Autorin Mojslava Sehnalová. Nach der Premiere gingen die Puppenspieler auf Reisen durch die Lausitz.
Jugendliche führten im September in Crostwitz/Chrósæicy das Rockmärchen "£uèlany Pìtr" ("Kienpeter") vier Mal auf. Der 20jährige Student Fabian Kaulfürst hatte die Vorlage für das Tanz- und Singspiel erarbeitet und führte auch die Regie. Zu den Vorstellungen kamen ca 3.000 Besucher.
Die "Lausitzer Rundschau" berichtete am 23. 09., dass sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg an die deutsche Bundesregierung gewandt hat, die eine Stellungnahme zur Abbaggerung Hornos/Rogow abgeben muss.
In der tschechischen Stadt Hradec Kralové spielte am 29. 09. die dortige Philharmonie im Rahmen eines Musikfestivals das "Essay für Violine und Orchester" von Jan Rawp.
Rawps Werk gehört seit der Uraufführung am 05. 12. 1968 zu den meist beachteten neueren Kompositionen der artifiziellen sorbischen Musikliteratur.
23 Jugendliche des Stedeljik Gymnasiums in Amersfoort (Niederlande) besuchten für einige Tage (13.-16. 09.) das Sorbische Gymnasium in Bautzen/Budy¹in. Die sorbischen Schüler hatten im Mai während ihres Aufenthaltes in Amersfoort die Einladung ausgesprochen. Die Gäste nahmen an Unterrichtsstunden teil, besichtigten gemeinsam mit ihren sorbischen Freunden einen Tagebau und das Kraftwerk Boxberg/Hamor und die Elbmetropole.
Vertreter des Wendlandvereins Dr. Karl Kowalewski und der Direktor der Stadt Lüchow Ernst Stelte vereinbarten mit dem Sorbischen Institut/Serbski institut am 15. 09. für Herbst 2000 eine wissenschaftliche Konferenz zur Vergangenheit des Wendlandes. Beide besuchten auch den Regionalverein der Domowina in Hoyerswerda/Wojerecy. Die ¾upanka-Regionalvorsitzenden Brigitta ©ramina informierte die Gäste über das politische und kulturelle Leben der Sorben.
Mit 28 Veranstaltungen in den vergangenen zwei Jahren hat der Bund sorbischer Handwerker und Unternehmer/Zwjazk serbskich rjemjeslnikow a pøedewzaæelow den Erwartungen seiner Mitglieder entsprochen. Die Berichts- und Wahlversammlung am 15. 09. in Radibor/Radwor bestätigte den Bericht und wählte erneut Monika Cy¾owa als Vorsitzende.
Nach einer Mitteilung der SPD-Bundestagsabgeordneten Barbara Wittig an die "Serbske Nowiny" am 16. 09. wird der Bund im nächsten Jahr keine Kürzungen für die Stiftung des sorbischen Volkes /Za³o¾ba za serbski lud vornehmen. Dies ist das Ergebnis eines Gesprächs am 15. 09. im Bundeskanzleramt, an dem Lothar Mark, Barbara Wittig und Prof. Gert Weisskirchen (alle SPD) sowie Antje Vollmer (Bündnis 90/Die Grünen) teilnahmen.
Im Rahmen der zweiten Veranstaltung "Markt und Musik zwischen Heide und Teichen" in Wartha/Stró¾a (18. 09.), zu der 3000 Besucher kamen, erklangen in einem Konzert des Sorbischen Künstlerbundes/Zwjazk serbskich wumì³cow auch Musikstücke von Korla Awgust Kocor (1822-1904), der hier im Ort mehrere Jahre als Lehrer wirkte.
Zu einem Ball sorbischer Könige (18. 09.) hatte der Regionalverband der Domowina (¾upa Dolna £u¾yca) nach Drachhausen/Hochoza eingeladen. Gemeint waren die Sieger der 317 Reiter und mehr als 300 Mädchen, die in 29 Dörfern nach alten sorbischen Bräuchen Erntefeste gestaltet haben.
Die polnische Gesellschaft für die Ostlausitz "Stowarzyszenie Promocji Wschodnich £u¿yc" in ¯ary hatte zum V. Sorabistischen Treffen von 24. bis 26. 09. auch Dr. Mìræin Völkel von der Maæica Serbska eingeladen, der über die polnischen Übersetzungen der Lyrik von Jakub Bart-Æi¹inski (1856-1909) sprach. In einem weiteren Referat wurde die wechselvolle Geschichte der sorbisch-polnischen Organisation "Pro³u¿" (gegründet 1939, verboten 1949) von Dr. Walenta Rabowski dargestellt.
Oktober [oben]
Die Festprogramme zum Tag der deutschen Einheit (03. 10.) wurden durch die Teilnahme sorbischer Kulturgruppen bereichert. Das Sorbische Nationalensemble/Serbski ludowy ansambl trat auf der zentralen Festveranstaltung in Wiesbaden auf und sorbische Gymnasiasten sangen, spielten und tanzten in Friedrichsfelde am Bodensee.
Unter der Leitung des Vorsitzenden der Domowina konstituierte sich in Bautzen/Budy¹in am 06. 10. ein Ausschuss aus Vertretern sorbischer Vereine und Institutionen, dem es obliegt, für ein höheres Prestige der sorbischen Sprache in der Öffentlichkeit Konzeptionen zu erarbeiten.
Die Stadträte von Bautzen/Budy¹in wählten den Arbeitskreis für sorbische Angelegenheiten, zu dem neun Stadträte und sachkundige Bürger der Stadt angehören, der am 10. 11. erstmals zusammentrat. Aufgabe des Gremiums ist es, darauf zu achten , dass die Satzungen der Stadt zur Förderung der sorbischen Sprache und Kultur umgesetzt werden. Zugleich berät er den Oberbürgermeister.
Das Deutsch-Sorbische Volkstheater Bautzen/Nìmsko-Serbske ludowe d¼iwad³o Budy¹in und das Sorbische Nationalensemble/Serbski ludowy ansambl schlossen am 13. 10. einen Kooperationsvertrag, der die Zusammenarbeit vertraglich regelt. Die Vereinbarung soll die Grundlage für eine beständige, über gemeinsame Projekte hinausreichende Zusammen-arbeit sein.
Einen sorbischen Qualitätssiegel will der Sorbische Kulturtourismus e.V./Zwjazk za serbski kulturny turizm z.t. in Zukunft verleihen an jene Einrichtungen, die eine klassische sorbische Küche und spezifische Gerichte der Lausitz anbieten. Dies beschlossen die Mitglieder am 13. 10. in Schleife/Slepo.
Fünf Kandidaten für den Sorbenrat im Potsdamer Landtag wurden am 14. 10. von der Hauptversammlung aller sorbischen Vereine in der Cottbuser Region (¾upa Dolna £u¾yca) mit Stimmenmehrheit vorgeschlagen. Der Landtag muss sie im November wählen. Dem Rat sollen angehören: Harald Koñcak, Maria Elikowska-Winklerowa, Fred Kaiser, Fryco Wojto und Heinz-Jürgen Hant¹ka.
Am 13. 10. traf sich der Sächsische Landtag zu seiner konstituierenden Sitzung. 30 der 120 Abgeordneten gehen erstmals in die neue Legislaturperiode, unter ihnen Hajko Kozel aus Wartha/Stró¾a in der PDS-Fraktion.
Am 90. Todestag des Dichters Jakub Bart-Æi¹inski (16. 10.) legten sorbische Vereine, Vertreter von Kommunen und Einzelpersonen am Denkmal im Geburtsort Panschwitz-Kuckau Blumengebinde nieder. Benedikt Dyrlich, Vorsitzender des Sorbischen Künstlerbundes/Zwjazk serbskich wumì³cow, würdigte die Verdienste des Dichters um eine hohe poetische Sprachkultur. Im Festprogramm erklangen Lieder mit Texten von Æi¹inski. Mon-signore Mìræin Salowski sprach vom künstlerischen Wert seiner Dichtkunst: "Seine Tragik war, dass er in ein kleines Volk, in dem der Welt unbekannten Ort Kuckau geboren wurde."
Am Sonntag (17. 10.) fand an seinem Grabe in Ostro/Wotrow eine kirchliche Gedenkfeier statt. Hier erinnerte der Gemeindepfarrer Dr. Rudolf Kilank an die Bemühungen, dem Dichter und Geistlichen einen würdiges Grabdenkmal aufzustellen, was 1969 realisiert wurde.
In Prag gedachten am 16. 10. Mitglieder des Spolek èesko-lu¾ický (Tschechisch-sorbischer Verein) und der Sektion Literatur und Kunst der Maæica Serbska des sorbischen Journalisten Jurij Wiæaz (1899-1974), der als Buchautor und Übersetzer belletristischer und politischer Literatur ins Sorbische bekannt ist und Jahrzehnte als ausländischer Berichterstatter der tschechischen Nachrichtenagentur (ÈTK) u. a. in Bulgarien, Israel, Frankreich und bei der UNO gewirkt hat.
Das VIII. Sorabistische Seminar der Iwan-Franko-Universität in Lwiw/Ukraine vereinte vom 19.-21. 10. ukrainische, weißrussische, polnische, deutsche und sorbische Wissenschaftler, die ihre neuesten Forschungsergebnisse im Fachgebiet Sorabistik vortrugen.
Die erste sorbisch-tschechische CD mit sorbischen, tschechischen und lateinischen Liedern erschien am 20. 10. in den Verkaufstellen der Lausitz und im tschechischen Nachbarland. Die CD beinhaltet Aufnahmen vom sorbischen Chor "Lilija" und von den Chören "Bendl" und Kajetánek" aus der ÈR. Der Cyrill und Methodius Verein/Towarstwo Cyrila a Metoda hatte das Projekt initiiert.
Der Vereins-Geschäftsführer Rafael Led¼bor sagte dazu: "Es ist unser Anliegen, beiden Völkern die Nähe des anderen zu entdecken."
Zu einem Seminar unter dem Thema "Slawische Volksgruppen und ihre Medien" hatten die Domowina und die Föderalistische Union nationaler Volksgruppengruppen (FUEV) eingeladen (21.-23. 10.). Dies war die vierte Veranstaltung für slawische Volksgruppen, die die Domowina alljährlich organisiert.
Vertreten waren u. a. die slowakische Minderheit aus Ungarn, die täglich über ein eigenes Fernsehprogramm verfügt, und aus Österreich berichtete die slowenische Volksgruppe von modernen medialen Angeboten. Dagegen konnten die Sorben nur über ihre Zeitungen und Rundfunksendungen sprechen, da der Mitteldeutsche Rundfunk trotz beständiger Forderungen den Sorben keine eigene sorbischsprachige Fernsehsendung zugesteht.
Dem Präsidium der FUEV wurde empfohlen, eine europäische Medienagentur zu gründen.
"Vor der Abfahrt aus Bautzen vereinbarte unsere Delegation [russische Minderheitsgruppe aus Estland] mit der FUEV und mit den Bautzenern sowie mit weiteren Zentren slawischer nationaler Minderheiten in Europa Kontakte zu pflegen. Unumgänglich ist der gegenseitige Informationsaustausch," schreibt die russische Zeitung "SPEKTR" aus Estland.
Der Deutschlandfunk sendete am 21. 10. in der Sendereihe "Korso" ein ausführliches Gespräch mit dem ¾upan-Vorsitzenden des niederlausitzer Regionalverbandes der Domowina/¾upa Dolna £u¾yca, Bjarnat Rjent¹ über die Lage der Sorben im Land Brandenburg und über die Rolle der Domowina bei der Entwicklung der sorbischen Sprache.
Das Sorbische Nationalensemble/Serbski ludowy ansambl präsentierte am 22. 10. in Bautzen/Budy¹in sein neues Programm "Kermu¹na pìc - wonjata wìc" ("Der Backofen zur Kirmes - eine duftende Sache").
Mit dem Æi¹inski-Preis wurde am 24. 10. der Lehrer Alfons Frencl aus Rosenthal/Ró¾ant geehrt. Die Auszeichnung übergab ihm der Ministerpräsident des Freistaates Sachsen, Prof. Kurt Biedenkopf. Den Förderpreis für künstlerischen Nachwuchs wurde dem Komponisten Jan Cy¾ aus Bautzen/Budy¹in verliehen.
Der Preis, nach dem sorbischen Dichter Jakub Bart-Æi¹inski (1856-1909) benannt, ist die höchste Auszeichnung der Sorben und wird verliehen für Verdienste um die sorbische Kunst, Kultur und Wissenschaft. Er wird alle zwei Jahre im Wechsel von den Ländern Sachsen und Brandenburg gestiftet. 1995 erhielt ihn der Schriftsteller Anton Nawka (1913-1998) aus Bautzen/Budy¹in und 1997 der Autor niedersorbischer Schriften und Pfarrer Herbert Nowak (1916) aus Drebkau/Drjowk.
Slepjanske kantorki, eine Frauensingegruppe aus Schleife, begeisterte am 25. 10. mit Volksliedern aus ihrer Region Gäste aus dem Kamenzer Kreis. Dies war der 50. Auftritt der Kantorki in diesem Jahr. Die Gruppe wurde am 17. 11. 1990 gegründet und wird seit dieser Zeit von der Lehrerin Leñka Nowakowa geleitet.
Dem künftigen Kabinett des Freistaates Sachsen, das am 27. 10 vereidigt wurde, gehören vier neue Mitglieder an, unter ihnen Stanis³aw Tilich, der bisher im Europaparlament arbeitete und nun in Dresden zum Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten berufen wurde.
Der Bundesvorstand der Domowina nominierte am 31. 10. in einer Wahl neun Kandidaten für den Rat für sorbische Angelegenheiten beim Sächsischen Landtag. Gewählt werden fünf Mitglieder in diese ehrenamtliche Funktion durch das Parlament des Freistaates. Der Rat ist laut sächsischen Sorbengesetz in Angelegenheiten, die die Rechte der Sorben betreffen, zu hören. Bestplatzierte waren Manfred Herma¹ aus Rohne/Rowno, Hannelora Balkowa aus Nochten/Wochozy, Dr. Rudolf Kilank aus Ostro/Wotrow.
Über den Beitritt des Sorbischen evangelischen Vereins/Serbske ewangelske towarstwo zum Dachverband der sorbischen Vereine, Domowina, diskutierten die Teilnehmer der Jahres-hauptversammlung (31. 10.) ohne einen diesbezüglichen Beschluss zu fassen.
Der Vorsitzende Mìræin Wirth wurde beauftragt, mit der Domowina-Leitung weitere Sondierungsgespräche zu führen.
Mit Interesse verfolgten die Anwesenden dem Vortrag des Leipziger Studenten Jens Buli¹, der die Geschichte der evangelischen Zeitschrift "Pomhaj Bóh" (gegründet 1950) unter dem Aspekt untersucht hatte, ob das Monatsblatt eine kirchliche Zeitung war und ist.
Im niederlausitzer Dorf Straupitz/T¹upc wurde im Jahre 1541 Albin Moller(us) geboren, der vor 425 Jahren das erste sorbische Buch drucken ließ: "Wendisches Gesangbuch, darinnen auff die Hohe Fest....Auch der kleine Catechismus ...Wendisch vertieret". An diese Persönlichkeit erinnerte eine Veranstaltung am 31. 10. in der Dorfkirche, zu der die niedersorbische Abteilung der Maæica Serbska geladen hatte. Bekannt wurde Moller(us) auch als Botaniker, Astronom und durch seine Kalendarien in deutscher, tschechischer und polnischer Sprache, die sogar vom Kaiser Rudolf II. gefördert wurden. Im Festvortrag musste der Vorsitzende Mìto Pernak auch feststellen, dass Moller(us) heute in seiner Heimat wenig bekannt ist und dass in seinem Lebenslauf noch vieles unerforscht blieb.
Ende Oktober erschien im Prager Verlag Volvox Globator der Erzählerband "Výlet do ráje" der jungen Autorin Mìrka Mìtowa in der Übersetzung von Vladimíra ©atavová. 1997 wurden die Erzählungen im Domowina-Verlag unter dem Titel "Wulìt do paradiza" ("Ausflug ins Paradies") herausgegeben.
"Wend Sorb Society of South Australia" lautet seit Oktober die neue Bezeichnung für den Verein der Nachkommen sorbischer Auswanderer nach Australien, der 1992 mit der Domowina einen Vertrag über Zusammenarbeit unterschrieben hat. Dennis Jenka wurde zum neuen Präsidenten gewählt und löste Paul Noack in dieser Funktion ab.
November [oben]
Die diesjährige Lesetournee, die der Domowina-Verlag/Ludowe nak³adnistwo Domowina gemeinsam mit dem Sorbischen Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow organisiert, begann am 02. 11. Beno Budar, Dichter und Chefredakteur der Kinderzeitschrift "P³omjo", war Gast in der Grundschule Neudorf bei Burghammer/Nowa Wjes pola Bórkhamora. An der Mittelschule in Ralbitz/Ralbicy diskutierte die junge Lyrikerin Lubina ©ìnec am 04. 11. mit Schülern der neunten Klassen über Inhalte und Ausdrucksformen ihrer Gedichte. Køesæan Krawc las für Freunde der Literatur aus der Gegend um Wartha/Stró¾a, Dorothea ©o³æina in Räckelwitz/Worklecy vor einem Familienkreis und Jìwa-Marja Èornakec vor Mitgliedern der Domowina-Gruppe in Hochkirch/Bukecy.
Als 44. Heft der Reihe "Serbska poezija" ("Sorbische Poesie") erschien am 04. 11. die Lyrik von Korla Awgust Fiedler (1835-1917). Herausgeber der Schriftenreihe ist der Dichter Kito Lorenc, die Auswahl für das Fiedler-Heft besorgte Dr. Franc ©ìn.
Bereits ihr drittes Lyrikbuch in sorbischer Sprache gab Ró¾a Doma¹cyna Anfang November heraus: "Pobate bobate" ("Nachgeplappertes nachgeplappert").
Eine Delegation der Domowina begab sich am 09. 11. zu dreitägigen Gesprächen nach Ungarn, wo sie mit Vertretern der deutschen und slowakischen nationalen Volksgruppen Erfahrungen bei der Wahrung der Minderheitenrechte austauschte. Der Domowina-Gruppe gehörten an der Vorsitzende und Geschäftsführer Jakub Brankaèk und Bjarnat Cy¾, die beiden Regionalvorsitzenden der Domowina in der Niederlausitz und im Kreis Bautzen Bjarnat Rjent¹ und Mìræin ©koda, sowie der Bürgermeister von Nebelschütz/Njebjelèicy Toma¹ Èornak.
Nach dreijähriger Tätigkeit des Verlages LUMIR konnte deren Gründer Mìrko ©o³ta eine positive Bilanz ziehen, die die "Serbske Nowiny" vom 11. 11. veröffentlichten: LUMIR gab mehr als 25 Werke von Korla Awgust Kocor (1822-1904), Bjarnat Krawc (1861-1948) und anderen sorbischen Komponisten heraus und schloss damit große Lücken in der sorbischen Musikliteratur.
Der niedersorbischen Dichterin Mina Witkojc (1893-1975) hat der Sorbische Künstlerbund/Zwjazk serbskich wumì³cow am 06. 11. einen musikalisch-literarischen Abend gewidmet. Mìto Pernak, Vorsitzender der niedersorbischen Abteilung der Maæica Serbska, der mit der Dichterin befreundet war, sprach über ihre lyrischen Gedichte. Interpretiert wurden einige Musikstücke, die auf literarische Texte von Witkojc aufbauen.
An den Feierlichkeiten anlässlich des 100jährigen Bestehens des polnischen Chores "S³owik" in Recklinghausen, zu denen der Bund der Polen in der BRD und der Bund der Polen in Deutschland eingeladen hatte, nahm am 13. 11. auch das Sorbische Dorfensemble Höflein/Serbski wjesny ansambl Wudwor teil. Der Vorsitzende des Bundes sorbischer Gesangsvereine, Jan Knebel, gratulierte auch im Namen des Bundesvorstandes der Domowina.
Im Mittelpunkt des diesjährigen Seminars der Sorbischen Künstlerbundes/Zwjazk serbskich wumì³cow vom 16.-18. 11. in Schmochtitz/Smochæicy standen Gespräche über die gegenwärtige sorbische Literatur, Musik und bildenden Kunst. Zugleich diskutierten die Teilnehmer über die Zukunft der sorbischen Bühnenkunst (Theater und Ensemble) und über den Beitrag der Forschung zur Lösung aktueller Probleme.
Als Überraschung der Zusammenkunft galt die Präsentation eines Gedichtheftes, das Milan Hrabal (Varnsdorf/ÈR) herausgegeben hat: "Tøetí zastavení" ("Der dritte Aufenthalt") beinhaltet Originale und Übersetzungen sorbischer Gedichte in mehreren Sprachen.
In Brno/ÈR veröffentlichte die Zeitschrift "Host" (Nr. 8) eine Anthologie sorbischer Lyrik in der Übersetzung von Milan Hrabal, in der sowohl junge Poeten als auch international anerkannte Schriftsteller Beno Budar, Ró¾a Doma¹cyna, Benedikt Dyrlich und Kito Lorenc vertreten sind.
In Celovec (Klagenfurt) /Österreich nahmen am dortigen 11. Kongress der Volksgruppen (19.-21. 11.) auch Jakub Brankaèk als Vorsitzender der Domowina und weitere Vertreter des sorbischen Dachverbandes teil. Gemeinsam berieten sie Fragen der Minder-heitensprachen in der Wirtschaft und die Stellung der Volksgruppen im Wirtschaftsleben.
Die 125. Schad¼owanka - traditionelles Treffen sorbischer Studenten und Absolventen seit 1875 - fand am 22. 11. in der Mehrzweckhalle "Jednota" Crostwitz/Chrósæicy statt, an der annähernd 500 Besucher teilnahmen.
In der Niederlausitz feierten die Studenten ihre 16.Schadowanka in Sielow/®ylow am 27. 11.
Eine gemeinsame Delegation der Domowina und des Deutschen Gewerkschaftsbundes in Sachsen verweilte am 22. und 23. 11. als Gast der deutschen Minderheit in Belgien. Der Besuch galt dem Kennenlernen der wirtschaftlichen Lage in einer zweisprachigen Region.
Der Deutsche Bundestag beschloss am 24. 11. den Haushaltsplan für das nächste Jahr, in dem auch vorgesehen ist, dass der Bund im Jahre 2000 wiederum 16 Millionen Mark für die Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud zur Verfügung stellt. Der Abgeordnete Lothar Mark (SPD) bekräftigte vor dem Parlament, dass die SPD mit dieser Maßnahme "neue Akzente setzen will".
(Vergleiche auch unter dem 16. 09.)
Dr. Kathinka Rebling übernimmt an der Fachhochschule Lausitz in Cottbus die Professur für die sorbische Musikforschung und -didaktik. Der Rektor der Hochschule, Prof. Dr. Jan Kru¾a, und der Domowina-Vorsitzende Jakub Brankaèk überbrachten die ersten Gratulationswünsche der gebürtigen Niederländerin, die zur Antrittsvorlesung am 25. 11. die Bedeutung der sorbischen Musikforschung erläuterte.
Mit den 21. Herbstkonzert in Panschwitz-Kuckau/Panèicy-Kukow am 26. 11. haben sorbische Chöre in diesem Jahr die traditionelle Veranstaltungsreihe, die von der Domowina und Stiftung für das sorbische Volk/Za³o¾ba za serbski lud organisiert wird, abgeschlossen.
Jan Knebel, Vorsitzender des Bundes sorbischer Gesangsvereine/Zwjazk serbskich spìwarskich towarstwow, würdigte zum Abschluss der diesjährigen Herbstkonzerte besonders die Teilnahme der Kinder- und Jugendchöre, da sie optimistisch für die Zukunft stimmen.
Vertreter der Maæica-Gesellschaften aus mehreren Ländern nahmen an den Feierlichkeiten anlässlich des 150. Gründungsjahres der Matice moravská am 24. und 25. 11. in Brno teil.
Das Historische Institut der Universität und die wissenschaftliche Gesellschaft veranstalteten ein internationales Symposium, auf dem der Vorsitzende der sorbischen Maæica, Dr. Mìræin Völkel, über sorbisch-mährische Kulturbeziehungen sprach.
Ein Orgelkonzert bot in Radibor/Radwor am 28. 11. der Kantor der Berliner St. Hedwigs Kathedrale Toma¹ ®ur, den der Gastgeber Pfarrer ©æìpan Delan begrüßte. Es erklangen Werke bekannter deutscher und französischer Komponisten und eine Improvisation auf ein sorbisches Advendslied.
Die Bundesrepublik schützt die Angehörigen ihrer nationalen Minderheiten als Individuum und auch als Gruppe. Daher ist ein besonderer Artikel im Grundgesetz nicht nötig. Dies bekräftigte das Bundesinnenministerium in einem Schreiben an den Petitionsausschuss des Bundestages. Die Position des Innenministerium ist Inhalt einer Antwort des Petitionsausschusses auf zwei Eingaben, in denen sich die Domowina am 11. 05. und 26. 06. an den Bundestagspräsidenten Dr. Wolfgang Thierse wandte.
Dies berichteten die "Serbske Nowiny" am 30. 11.
Im November wurde im Gebäude der Philologischen Fakultät der Warschauer Universität eine Ausstellung mit Werken von Bo¾ena Nawkec-Kunysz und Mìræin Nowak-Njechorñski eröffnet. Das Patronat hatte Prof. Dr. Ewa Siatkowska im Auftrag des Kreises der polnischen Freunde der Lausitz übernommen.
Diese Ausstellung soll bis Juni 2000 - dem 100. Geburtstag des im Jahre 1990 verstorbenen Malers Mìræin Nowak-Njechorñski - auch an weiteren Orten gezeigt werden.
Die slowakischen Wochenzeitschrift "Literárny tý¾denník" publizierte neue Gedichte von Benedikt Dyrlich in der slowakischen Übersetzung von Dana Podrácka.
Dezember [oben]
Eine CD mit konzertanter Musik sorbischer Komponisten hat die Neue Lausitzer Philharmonie eingespielt, die 02. 12. in Hoyerswerda/Wojerecy vorgestellt wurde. Auf der Scheibe sind Werke von Detlef Kobjela, Hinc Roj, Hans Thiemann und Ulrich Pogoda zu hören.
Das Jugendtheater des Sorbischen Gymnasiums beim Deutsch-Sorbischen Volkstheater hat das Stück "Na frasu" ("Auf die Fresse") von Rainer Hachfeld in der Regie von Torsten ©losar einstudiert und in vier ausverkauften Vorstellungen im Bautzener Theaterhaus (am 03., 09., 14. und 16. Dezember) aufgeführt. Auch die Übersetzung der Szenen aus dem Deutschen ins Sorbische haben die Gymnasiasten angefertigt.
Einige Regionalverbände der Domowina bilanzierten zum Jahresabschluss ihre Tätigkeit. So konnte die ¾upanka/Regionalvorsitzende von Hoyerswerda/Wojerecy, Brigita ©ramina, am 02. 12. feststellen, dass in der Zeit seit der letzten Hauptversammlung die Mitgliedschaft in der Domowina von 300 auf 950 angewachsen ist.
Im Regionalverein Bautzen/Budy¹in sprach der ¾upan Mìræin ©koda am 02. 12. von der noch nicht überwundenen Gefahr für weitere Verluste auf der Basis, obwohl es gelungen war, in Commerau bei Klix/Komorow pola Kluk¹a die Ortsgruppe mit 25 Mitgliedern zu beleben.
®upan Benedikt Cy¾ lobte auf einer Zusammenkunft in Zerna/Sernjany am 03. 12. besonders den Einsatz der Laiengruppen im Regionalverein "Micha³ Hórnik" (Kamenz/Kamjenc) und verwies auch auf die Aktivitäten der Jugendgruppen in einigen Dörfern.
Weiterbildungsveranstaltungen für Lehrer im Fach Sorbisch fanden am 02. 12. in Bautzen/Budy¹in und in Schleife/Slepo statt, die besonders zur Reaktivierung der Sprachkenntnisse dienen sollen. F